Sonntag, 1. September

Christine Piontek

von Christine Piontek

Story
Berlin

Seit Tagen denke ich an den „Parrot Sketch“ von Monty Python. Ich fühle mich nämlich ein bisschen so wie der Typ, der den toten Papagei kauft. Nur, dass es bei mir eine Katze wäre und ich mich bewusst darauf einlasse. Sofern ich es eben mache. Vielleicht hilft mir eine Liste mit Pro und Contra bei meiner Entscheidung für oder gegen dieses CatCheapET, das mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

PRO:

  • Das CatCheapET ist eine Ersatzkatze und wurde von einem Berliner Start-up namens YourPrepPet entwickelt. Ich würde in ein deutsches Unternehmen investieren und Arbeitsplätze schaffen.
  • Es handelt sich um einen KI-gesteuerten Roboter. Die positiven Eigenschaften einer Katze bleiben erhalten: Das Tier schmust, schnurrt und spielt. Das wird mich entspannen und gut für meine Gesundheit sein.
  • „Cat“ für Katze, „Cheap“ für preiswert, „ET“ für Ersatztier. Keine Kosten für Futter, Streu, Versicherungen oder Tierarzt. Im Monat fallen lediglich 30 Euro für Support und Updates an. Das ist vergleichsweise wenig und mit dem mickrigen Gehalt, das Hannelore mir zahlt, gerade noch drin.
  • Wo nix reingeht, kommt auch nix raus. Kein müffelndes Katzenklo!
  • Das Tamtam beim Tierarztbesuch entfällt auch. Ein CatCheapET wird nicht krank. Ich muss niemanden in eine Box stopfen, wofür man mich anschließend tagelang hasst.
  • Kein Klo putzen und kein Tierarzt: Das spart auch Zeit. Und Müllbeutel.
  • Das CatCheapET hat keinen Jagd- und Fortpflanzungstrieb. Es wird der Techno-Katze egal sein, in meiner kleinen Wohnung zu bleiben. Ich muss weder Angst haben, dass sie draußen überfahren wird, noch muss ich tote Mäuse entsorgen (igitt!). Auch sterben meinetwegen keine Vögel.
  • Ich kann die KI nach meinen Bedürfnissen trainieren. Das CatCheapET wird perfekt zu mir passen.
  • Max kann einpacken!

CONTRA:

  • Das Vieh ist tot. Ein Kadaver wurde nach allen Regeln der Kunst präpariert als Hülle für den Roboter im Inneren. Das Ding hat Glasaugen. Es wird sein wie ein Exponat aus dem Naturkundemuseum, das durch meine Wohnung latscht. DeadCheapET!

Im Internet habe ich gelesen, dass sie im nächsten Schritt einen besonderen Service für Menschen anbieten wollen, deren Haustier gestorben ist. Mit der neuen Technologie können sie das geliebte Familienmitglied quasi wieder zum Leben erwecken – mit allen Eigenschaften, die es hatte, ganz ohne die Nebenwirkungen vom Friedhof der Kuscheltiere. Finde ich aber auch ohne Stephen King irgendwie gruselig. Und natürlich kostet so eine spezielle Konfiguration dann auch deutlich mehr als das durchschnittliche CatCheapET, was mir für einmalig 100 Euro + die 30 im Monat überlassen wird.

Ach, ich weiß auch nicht. Besser nochmal sacken lassen. Wobei mir gerade noch ein Vorteil einfällt: Ich kann Urlaub machen, ohne dass ich einen Katzensitter brauche! Hmmm …

© Christine Piontek 2025-04-23

Buchkategorie
Humor& Satire
Stimmung
Herausfordernd, Dunkel, Komisch, Mysteriös, Reflektierend
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