Spielplatz

Sarah Prignitz

von Sarah Prignitz

Story

Noch einmal Kind sein.

Wer könnte mir diesen Wunsch erfüllen?

Meine Füße wären so leicht wie meine Lebenseinstellung. Die kindliche Freiheit würde ich auskosten.
Ich hüpfte und ich flog über die Wege hin zum Spielplatz. Dort betraten ich und alle anderen Kinder ein besonderes Raum-Zeit-Gefüge. Eine Zeit, in der keine Zeit verging.

Eine Zeitschleife.

Ich tanzte unter dem blauen Himmel und die Wolken tanzten mit mir.
Meine Freunde um mich herum. Auch sie tanzten mit. Solche, mit denen ich kam und andere, die ich erst traf. Für die paar Stunden waren wir alle Freunde. Ich kenne sie nicht, doch wir tun, als wäre es anders.
Kinder finden einfach Freunde.

Wir spielten und wir lachten. Fangen, verstecken, rennen, Burgen bauen, klettern, erkunden und entdecken. Über schlechte ausgedachte Witze lachen und einander Geheimnisse anvertrauen im kleinen Häuschen.
Als Kind hatte man keine Geheimnisse, wie sie die Erwachsenen hüten.

Die Sonne entfernte sich von uns. Der Himmel wurde dunkler.
Ein Abschied war nicht in Sicht. Ein Ende würde ich nicht herbeisehnen und ich würde es nicht kommen sehen. Doch es riss mich mit zurück nach Hause, fort von dem Spielplatz, der die Zeit für uns anhielt.

Das war meine Kindheit, bis sie vorbeizog. Damals wusste ich nicht, wie ich an ihr festhalten sollte. Ich sah keine Notwendigkeit, war es mir doch damals gleichgültig, so selbstverständlich wie es gewesen war. Ein großer Fehler.
Ich tauschte gegen das Erwachsensein. Eine schlechte Vereinbarung. Die Bedingungen sah ich erst später.
Ich bin nun nicht mehr die Person, die spielt. Ich bin die Person, die daneben steht, aufpasst und wartet.
Als Kind wollte ich für immer bleiben. Pure Freiheit und Verbundenheit zu allem.
Mit der Zeit verschwanden diese Vorstellung und Erfahrung. Es fühlte sich anders an und ich kam nie zurück dahin. Meine Kindheit zog vorbei.

Und das letzte Mal auf dem Spielplatz fühlte sich nicht als ein solches an. Wir haben es nicht gewusst. Vielleicht wären wir sonst nie wieder gegangen. Wir wären geblieben und hätten aneinander geklammert diese Kindheit behalten wollen.

Wie gerne ich jetzt weinen würde, wenn ich mich zwinge zurückzudenken. Meine Gedanken gelangen an Orte, die ich längst vergessen hatte. Ich möchte zurückkehren mit allem, wie es damals war. Ich kann diese Zeit nicht vergessen, wenn ich sie doch auch unbewusst längst verdrängt hatte.

Was ich mir wünschen würde, wenn ich könnte. Ein einziger Wunsch. Eine einzige Antwort, um die Probleme des Erwachsenseins zu vergessen.

Noch einmal Kind sein.

© Sarah Prignitz 2025-09-02

Genres
Anthologien
Stimmung
Emotional, Reflektierend