von CaroLange
Schauplatz ist ein beliebiges Beisl im Osten von Österreich. Es ist der Treffpunkt von einsamen Herzen, Spiegeltrinkern und Ehemännern, die vor ihren Bissgurn flüchten. Fast täglich findet sich die gleiche Partie hier zusammen, dem Zweitwohnzimmer, zum Austausch von Neuigkeiten, zum Politisieren, zum Schnapsen und natürlich viel Trinken.
Kaum sind die Pforten geöffnet, kommt der erste Gast, und nimmt am Stammtisch Platz.
“Griaß di, a Hoiwe und an Kurzen , bitt‘ schen.”
Die Wirtin, ziemlich rund und mit an Hauf’n Gugaschecken im G’sicht, begibt sich hinter die Budl und schenkt ein. “Wo host’n heit den Ozwickten loss’n, Kurtl?”
“I glaub, der büselt no, is a bissl spot wurn gestern. Host scho gheart, da Fritz hot scho wieda an Buserer baut mit’n Auto vo seiner Oiden. Na des wird wieda an Bahöll geb’n. Denn kemma fia de nächsten Wochen oschreib’n. Den sei Gwirks mecht i net hobn. Du glaubst net wia de Heugeign aufdrahn kan.”
Der nächste Gast kommt.
“Griaß eich”, hängt sein Janker auf und hockt sie nieda.
“ Servas Rudi, wos trink ma denn heit?”
“An weißen Spritzer, wonn a net ogeht”
Rudi nimmt an Schluck und: “Wos host ma denn do für a Gschlodern zompanscht, do muas i in Wei erst suachen geh’n. Muaßt da’s Gerschtl leicht a scho zomkrozn? Der geht auf’s Haus, dos das wast. Kurtl, host an Tschick für mi?“
“Du oida Schnorrer, kaf da deine eigenen Tschick. Glaubst i hob so lang gruachelt, dos i di a nu mitfuada! I muaß fia mei Ex scho gnua blechen.”
Zur gleichen Zeit poltert die Schnapserrunde ins Lokal.
“Griaß eich mitanand. Wos gibt’s Neichs? Wirtin, wos host denn heit kocht?“
“Heit gibt’s a Xöchts mit Kraut und Knedl”.
“Erst klopf’ma oba a boa Bummerl.“
Unmittelbar darauf steigt der Lärmpegel drastisch an. Anschließend einige Satzkreationen, die durch den Raum fliegen, während die Karten mit mehr oder weniger Ausdruck auf den Tisch geknallt werden.
“Heit schreib oba i, ruck umma mit dem Kaszettel, du verschreibst die oiwei.“
“Schlofst no, du muasst no ohebn.”
“Wos drahst net zua, du Suarm, host jo an 40zger angsogt!”
“Hawara, du host jo grod geb’n, her mit de Kort’n!”
“Oida, mit dir spül i nimma zam, so wias du gschupft spülst. Do kenn ma nur verliern!”
“Schau auf deine eigenen Kort’n, du Spechtler!”
“Muaßt du so laut grebazn, des is jo net grod lustig, außerdem stinkst noch Knofi.”
Für jeden Sprachforscher ein El Dorado, so eine Beislrunde. Viele Einflüsse kommen von den Nachbarländern, hauptsächlich aus Bayern. Während der Habsburgerzeit gab es derart viele völkische Einflüsse, die eine Multikulti Mundart möglich machten, die zusätzlich regional auch noch abgewandelt wurde. Auch das Jiddische hat speziell in Wien viele Worte geprägt.
© CaroLange 2021-01-05