von Lena Haider
es ist noch hell in der mondscheingasse. jugendliche sitzen am gehsteig, zigarettenqualm und abgestandenes bier. ihre haare schwarz oder rot oder grĂŒn oder pink. die dunkle tĂŒr, mit bunten stickern beklebt, antifa, rage against the machine, pace, rollin. darĂŒber ein schild, music-house, puntigamer, das bierige bier. es leuchtet nicht. âlinke zecken!â, ein ruf von gegenĂŒber. das eastside auf der anderen seite der straĂe, burschen mit kurzhaarfrisur und tanktops. ânazis!â, schallt es zurĂŒck. ein polizeiauto fĂ€hrt durch die gasse, in schrittgeschwindigkeit, es bleibt nicht stehen. âall cops are bastards!â
aufflackernde neonröhren ĂŒber dem schild, die schwarze tĂŒr geht auf. âausweis?â, manche davon gefĂ€lscht, âschon sechzehn?â. der tĂŒrsteher lĂ€sst alle mĂ€dchen hinein. steil fĂŒhrt die treppe hinunter ins dunkel, jemand zĂ€hlt die stufen und stolpert. im keller, die bar aus schwerem holz. lustig samma, puntigamer. stroboskop blitze ĂŒber den köpfen. âzwei bierâ, âdrei spritzerâ, âein flying hirschâ. âwast wos a sauschneida is?â nirvana hat hier gespielt, bevor sie berĂŒhmt geworden sind, glauben manche. doch kurt cobain hat ein schnitzel gegessen, mit erbsen, woanders. âwhere is my mindâ, dröhnt es aus den boxen, âmy head on the groundâ. auf der tanzflĂ€che wippen sie höchstens mit dem fuĂ oder nicken mit dem kopf. âschnorrst mir eine tschick?â, âwort, i hob a feia.â ein feuerzeug klickt, die zigarette brennt, rauchschwaden durchziehen das gewölbe. âi krieag no an diesel!â
mĂ€dchen stellen sich vor dem klo an, unter den augen dicke schwarze kajalstriche, bauchfrei mit nietengĂŒrtel. burschen mĂŒssen sich nicht anstellen, ihre hosen hĂ€ngen im schritt herunter, boxershorts schauen unter den baggy pants hervor. âwĂŒst a bissl schmusen?â, âda papa kummt glei.â der boden ist klebrig vom verschĂŒtteten bier. âheast, hobts ka daham?â die toten hosen grölen âkein alkohol ist auch keine lösungâ, mit der hand vor dem mund drĂ€ngt sich eine an der schlange vorbei richtung klo. âes wĂŒrde gehen, doch es geht nicht gut!â
stoppelhaarige tanktop-jungs stolpern die stiege herunter, schwenken eine deutschland-fahne. âscheiĂ nazis, eich pock ma!â, ein paar von den baggypant-burschen laufen die stiege hinauf. âmei wiesn, dei bluat!â ein gong scheppert, tequila wĂŒrfeln, je höher oder niedriger die zahl, desto billiger oder teurer der tequila. âzur mitte, zur titte, zum sack, zack, zack!â salz oder zimt auf den handrĂŒcken, runter damit, ein biss in die orangenspalte, der saft rinnt aus den mundwinkeln. âwarum bist du no net daham? die mama sorgt sie scho! kumm, gemma!â, das etikett löst sich von der bierflasche, sie ist noch halbvoll. feiern tamma, puntigamer.
»_.«Â
diese Story ist teil des ây2k cityguide grazâ (arbeitstitel) â ein streifzug durch das graz der 2000er jahre, inklusive millennial geheimtipps ;-)