The lazy hazy days of summer

Wladimir

von Wladimir

Story

Heute, plötzlich, erinnere ich mich an diese Worte, diese lautmalerische Kombination – lazy, hazy und summer. Das erste Mal, dass ich sie hörte war in Californien. Es waren die Abschiedsworte einer anderen jungen Mutter, am Tag vor den Sommerferien im Kindergarten. Und der ‚Kindergarten‘ war eine COOP, am Rande des Städtchens, in das wir gezogen waren, aus England kommend.

Ich konnte es gar nicht glauben! Was – lazy? -and hazy? Ich hatte zwei – oder waren es da schon drei – Kleinstkinder und die Aussicht auf einen superheißen, regenlosen, ungetrübt blauen Langsommer, allein zuhause mit meinen Kindern (Silicon Valley Widow ist ein feststehender Ausdruck. Da ist kein Mann gestorben. Er ist nur nie zuhause, weil einfach immer in der Firma.) war nicht lazy. Egal wie heiß es würde, ich würde in vollem Einsatz sein, dauernd. Ich vermisste Deutschland, okay vielleicht England, auf jeden Fall etwas mit grünen Pflanzen und ab und zu Niederschlag, aus Wolken, den Dingern, die das Blau des Himmels unterbrechen, in anderen Erdteilen. Ich vermisste Familie. Gesellschaft, Unterstützung.

Nach dem ersten Jahr wurden meine Sommer, die Zeit bevor die Schule im Herbst wieder anfing, anders. Wir gingen Erdbeeren pflücken, fuhren nach Rio del Mar an den Strand, gingen etwas später dann Äpfelernten und Apple Pie essen auf Gizdich Ranch, wo man auch den frischen Apfelsaft bekam und im Garten sass auf Heuballen an Holztischen.

Was meint eigentlich lazy-hazy? Heiß-schwül-Hängematte? Dunstig?

Heute waren wir am See. Mit allen. Es war sehr warm, ja heiß. Wir hatten Eis und dann Pommes mit Ketchup. Wie waren zweimal im Wasser. Meine Tochter ist sogar mir dem Seil, das da schon immer am Baum festgemacht ist, damit man sich über das Wasser schwingen kann, um dann loszulassen und im hohen Bogen im See zu landen, geflogen. Zuhause haben wir ihr einen kleinen Stein aus der Fusssohle herausoperieren müssen, mit viel Desinfektionsspray und Pinzette. Alle haben ihre roten Handtücher über die Gartenmauer gebreitet. So trocknen sie. Dann machen wir morgen alles nochmal. See, Eis, Seilschwingen, Pommes mit Ketchup. Jedenfalls wollte keiner von uns darüber nachdenken, wie unwahrscheinlich das ist. Morgen muss der Schulfreund meiner Tochter zum Flughafen. Das Auto muss zur Reparatur, weil ein Reifen geplatzt ist. Meine Tochter ist nur ‚auf Besuch‘. Sie lebt ja gar nicht mehr bei uns. Doch mein Jüngster kommt auch Übermorgen, weil ich bald Geburtstag habe. Nur mein ältester Sohn kann gar nicht kommen. Es geht nicht.

Lazy-hazy. Ich sehe die Apfelplantage, die Kinder, ihre Freunde, die Fahrten im riesigen roten Truck.

Nachdem wir vom See zurück sind, liegt jeder auf irgendwas, einem Liegestuhl draußen, einer Couch, mit Buch, Laptop, Handy. Ich gehe und lege mich auf mein Bett, nur ein bisschen, gleich muss ich duschen, bevor wir zum Abendessen ausgehen. Mein Körper wird schwer. Ich höre die Stimmen der anderen durch die Balkontür. Ich schwebe durch den Sommer.

© Wladimir 2020-07-28

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