von Walter Weinberg
Aloisia und Alois wurde nach Sohn Alois noch Tochter Pepi und Maria geschenkt. Pepi heiratete auf den Reisinger-Hof. Als im Herbst das Obst der Bäume reifte, stieg Pepi auf der Leiter hoch hinauf, um die schönsten Zwetschgen vom Baum zu holen. Sie streckte sich nach einem vollen Ast und verlor den Halt auf der Leiter. Pepi fiel tief und überlebte den Sturz nicht! Sie hinterließ 3 Kinder und einen verzweifelten Witwer!
Maria war mit dem Schuldirektor Alfons Zehetmayr verheiratet und wohnte wie ihre Tanten nobel am Grieskirchner Stadtplatz! Als Österreich von Hitler angeschlossen wurde, suchten die Nazis geeignete Offiziere. Alfons wurde Stadt-Hauptmann! Er musste nicht in den Krieg, aber auch seine Familie bekam nur begrenzt Lebensmittel. Wohlstand war in dieser Zeit nur bei den Bauern zu finden. Deshalb marschierte die Familie jeden Sonntag mit großen Rucksäcken 5 km zum elterlichen Hof von Maria.
Dort musste die Schwägerin Franziska jedes Mal ein paar Hennen einfangen, um sie zu rupfen und köstlich zuzubereiten. Ihr Mann Alois war ein Musterbeispiel eines liebenden Ehemannes und half Franziska fleißig in der Küche, obwohl Männer dieser Zeit Küchendienst mieden, wie der Teufel das Weihwasser! Alois war bereits aus dem Krieg heimgekehrt, da er sich in Albanien durch verdorbene Lebensmittel ein Magenleiden einfing! Eine Tochter des Hauptmanns war sehr eigensinnig und spielte nur draußen. Auch missfiel ihr die Tradition der Familie, allen Generationen den Alois-Namen zu verpassen. Sie wollte einfach nicht Aloisia wie die Großmutter heißen! Jeder musste die Kleine Luise rufen, damit sie sich angesprochen fühlte. Luise fand später keinen Gefallen an Männern, aber ihre lesbischen Affären machten sie auch nicht glücklich!
Nach großzügiger Bewirtung der Hauptmannsfamilie marschierte diese mit den 4 Kindern alle mit vollen Rucksäcken zurück ins noble Haus am Stadtplatz. Dabei passierte der jüngsten Tochter Mädi ein Malheur: Das wohlbeleibte Kind stieg unabsichtlich auf einen kleinen Hasen, der wegen ihres Körpergewichtes sofort verschied! Bis heute erzählt ihr Bruder Walter gern von ihrem Missgeschick! Wohl auch deshalb wurde aus Mädi eine auf Schlankheit bedachte Schönheit. Durch den Namen ihres Bruders Walter wurde eine neue Tradition in der Familie begründet: Sein Cousin und dessen Sohn wurden ebenfalls Walter getauft!
Die Kinder des Hauptmannes machten große Karriere: Walter wurde Vorstand der Bundespolizei und Mädi Diplomatin bei der UNO. Da Vater Alfons sein Hauptmannsgehabe in der Familie nie ganz ablegte, nannten ihn die Kinder bis zu seinem Tod nur Hauptmann statt Papa! Irgendeine Strafe muss man schließlich erdulden, wenn man mit Nazis kollaboriert hatte! Franziska gebar noch Mariandl, die mit 3 Jahren schwer an Diphtherie erkrankte. Weil das Mädchen im Krankenhaus verstarb, war Franziska sicher, die Krankenschwester hätte ihr aus Mitleid eine erlösende Spritze zum Sterben verabreicht!
© Walter Weinberg 2022-08-09