Trini mit den Sommersprossen

Gabriele Koubek

von Gabriele Koubek

Story

Meine Trini ist Jahrgang 1957. Sie ist eine Hummel Goebel Puppe aus Vinyl, entworfen von Charlot Byj in Deutschland. Ihr originaler Name ist Trine. Ich habe sie viele, viele Jahre nicht beachtet, doch durch eine Story One Geschichte von Maria hab ich mich wieder an sie erinnert, sie gesucht und gefunden.

Sie hat immer noch ihr gewinnendes, verschmitztes Lächeln. Ein Zahn blitzt frech aus ihrem Mund. Die kurzen roten Haare stehen in alle Richtungen. Ihr Kleidchen ist sicher nicht mehr original, denn es passt ihr nicht so richtig. Aber die Unterhose ist in jener Größe wie ich Unterhosen nur bei meiner Großmutter gesehen habe.

Ich habe die Puppe Mitte der 60iger Jahre von meinen Eltern bekommen. Es war in den Sommerferien. Da meine Eltern berufstätig waren, verbrachte ich immer einen Monat der Ferien, im Ferienlager der Schulschwestern in Seebenstein. Ich erinnere mich an abwechslungsreiche Tage, viele andere Kinder, in deren Menge man unbeachtet untertauchen konnte und natürlich auch an viele Heimwehtränen.

Meine Eltern hatten wahrscheinlich den größeren Trennungsschmerz, aber sicher auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil sie ihr einziges Kind in den Ferien den Klosterschwestern überließen. Daher bekam ich manchmal Geschenke.

An einem Besuchssonntag im Ferienheim brachten meine Eltern die Trini mit. Ihr süßes Lächeln, ihre witzigen Sommersprossen und die knallroten Haare verscheuchten kurzfristig mein Heimweh.

Erst viele Jahre später, als schon meine Kinder mit der Puppe spielten, bemerkte ich, dass sie auf dem Rücken eine Kennzeichnung hatte. Meine Nachforschungen zeigten mir wo sie hergestellt wurde und dass sie etwas Besonderes war.

Noch einige Jahre später, als bereits meine Enkelkinder mit meiner Trini spielten, erzählte mir meine Mutter die Geschichte, die zum Kauf dieser außergewöhnlichen Puppe führte.

Damals ging meine Mutter kurze Strecken immer zu Fuß, da die Straßenbahn teuer war. Auf ihrem täglichen Weg lag ein Spielwarengeschäft. In der Auslage hat meine Mutter die Puppe zum ersten Mal gesehen. Ihr hatte der freche Gesichtsausdruck sofort gefallen und sie war sich sicher, dass ich damit viel Freude haben werde. Leider war die Puppe sehr teuer und mein Vater sehr sparsam.

Meine Mutter hat ihrem Bruder von der Puppe erzählt und der fand eine Lösung.

In der Familie meiner Mutter wurde immer gerne Karten gespielt. Mein Onkel überredete meinen Vater mit ihm zu spielen. Der Verlierer musste jedes Mal einen kleinen Betrag für den Puppenkauf auf den Tisch zu legen. Das Spiel dauerte sehr lange, da jeder Kartenzug lange und ausführlich diskutiert wurde.

Am Ende gab es keinen eindeutigen Verlierer aber mich als großen Gewinner.

Ich bekam eine Puppe an der bis jetzt bereits 3 Generationen ihre Freude hatten.


© Gabriele Koubek 2020-10-15

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