von Clara Pasteiner
Früh am Morgen des nächsten Tages klopfte es an die Tür von Tynkerbells Pilzhaus. Laila hörte es, zog sich aber die Decke über den Kopf. Sie wollte noch nicht aufstehen. Sollten die Hofdamen mit ihrem Ankleiden heute eben noch etwas warten! Da schoss es ihr durch den Kopf: Sie war ja gar nicht mehr im Schloss ihrer Eltern. Nein, Laila war bei der Fee Tynkerbell im Wilden Wald. Sie sprang aus dem Bett, warf schnell einen Morgenmantel über und sauste durch den himmlischen Duft des Frühstücks hindurch zur Tür.
Tynkerbell war schon wach gewesen und hatte Frühstücksbrei vorbereitet, als sie das Klopfen hörte. Sie öffnete die Tür und seufzte: „Oh nein!“ „Oh, ja ich bin es schon wieder!“, antwortete ein kleines Männchen. Es hatte wild abstehende Haare und einen langen Bart. Wenn man den Bart genau betrachtete, sah man kleine Funken zwischen den Haaren tanzen. Die dunkelgrüne Jacke hatte braune, kreisrunde Flecken, die aussahen wie Brandlöcher. An der Seite der blauen Hose waren gelbe Flammen aufgestickt und die braunen Lederschuhe hatten ebenfalls kleine Brandlöcher.
„Guten Morgen“, sagte Laila, die nun auch zur Türe gekommen war und das kleine Männchen bekam große Augen. „Ah, du hast Besuch. Na dann komme ich zu einer anderen Zeit wieder.“ Tynkerbell hielt ihn am Arm fest: „Das ist Laila, sie wohnt nun eine Zeit bei mir.“ „Guten Morgen, Laila“, das Männchen verbeugte sich höflich, „mein Name ist Stumpfi und ich bin ein Feuerzwerg.“ „Oh“, entfuhr es Laila, die noch nie etwas von Feuerzwergen gehört hatte.Â
„Nun, komm´ herein und frühstücke mit uns!“, bat Tynkerbell Stumpfi ins Haus, „beim Frühstücken kannst du uns von deinem Problem erzählen!“ Stumpfi schnaubte und sah Tynkerbell mit ungläubigen Augen an. Sollte sie es vergessen haben? Er ließ sich aber überreden ins Haus zu kommen, schließlich wollte er nicht, dass irgendwelche Lauscher etwas mitbekamen.
Tynkerbell stellte drei hölzerne Schalen auf den Tisch und füllte sie mit heißem, süß-duftenden Haferbrei. Sie stellte Zimt und Nelkenpulver dazu und alle ließen es sich schmecken. „Nun, was ist dein Problem?“, wollte dann Laila von dem Feuerzwerg wissen. „Ich habe gar kein Problem! Wie kommst du auf die Idee, dass ICH ein Problem hätte? Da kennst du mich gerade mal 10 Minuten und schon glaubst du, dass ich das Problem bin!“, antwortete Stumpfi aufgebracht. Laila konnte beobachten, wie das Gesicht des Feuerzwergs immer roter wurde und die Funken in seinem Bart sich zuerst zu Glutnestern und dann zu winzigen Stichflammen verdichteten. Es begann furchtbar zu stinken und Laila hustete. Sie konnte gerade noch verhindern, dass sie sich die Nase zuhielt.
„Ich wollte gerne wissen, was dich zu Tynkerbell geführt hat.“, japste Laila und wedelte den Rauch aus Stumpfes Bart aus ihrem Gesicht.
© Clara Pasteiner 2025-02-22