von Zerdenker
Das Gehirn ist wie ein Computer. Somit kann es von uns falsch aufgesetzt oder programmiert werden und wird es auch falsch aufgesetzt oder programmiert. Man begegnet immer wieder Charakteren, die sich selbst einen Fehler einprogrammiert haben, meist unbewusst, sodass sie Opfer ihrer selbst angeeigneten Gewohnheiten werden.
Mal ist es ein Zucken mit dem rechten Mittelfinger, wenn man merkt, dass gerade etwas Unpassendes gesagt wurde. Bei anderen kann es das Wiederholen von Information, eine obsessive Abneigung gegen Strom oder was auch immer sein. Bei so vielen Menschen, die es auf unserer schönen Ellipse gibt, sind unzählige Möglichkeiten vorhanden, um das eigene Verhalten zu verpfuschen.
Einer der ersten Nachrichtenberichte über künstliche Intelligenz behandelte die Thematik, dass diese nicht so klug sei wie angenommen. Wenn man ihr sage, das Bild von einem Hund stelle eine Katze dar, dann glaube sie das auch und bezeichne in Zukunft Hunde als Katzen. Wenn ich das mit einem Kind mache, dann kommt auch dasselbe Ergebnis raus, nur dass es dann bei der nächsten Familienfeier lustig wird, wenn das Kind auf einen Hund zeigt und „Miau“ sagt.
Wir programmieren uns jeden Tag ein Stückchen mehr, am meisten in den ersten fünf Jahren unseres Lebens, da wir ja mit einer leeren Speicherplatte auf die Welt kommen.
Wer nach ein paar Jahren seinen Speicherplatz auf dem Computer sortiert, merkt schnell, was wir so alles sammeln, dass das Aufräumen eine Heidenarbeit ist und man wichtige Entscheidungen dabei treffen muss. „Behalte ich alle 37 Bilder von dem Weltrekordversuch der größten Essigwurst?“ Oder: „Brauche ich wirklich noch 789 runtergeladene Lieder von Elektromusik von 2010?“
Hier hat man aber noch den Vorteil, dass man genau sieht, was da ist. Leider gibt es von unserem Gehirn keine so genaue Auflistung der gespeicherten Daten. Das merkt man dann gut, wenn einem aus dem Nichts wieder einmal ein selbst gedichtetes Lied über die Namen von Eiszeiten einfällt, während man ein Eis schleckt.
Bei einer Störung ist meist die erste Rückmeldung, dass man den Computer einmal aus- und wieder einschalten soll. Aber wie macht man das mit sich selbst? Alkohol funktioniert hier leider nicht so gut. Hier schaltet man das Gehirn eher nur auf Energiesparmodus.
Mit LSD oder anderen psychedelischen Substanzen wird das Betriebssystem defragmentiert und neu zusammensetzt, mit der Gefahr, dass man nicht genau weiß, was man bekommt. Das Ultimative, was man mit solchen bewusstseinserweiternden Substanzen hier erreichen kann, ist der sogenannte „ego death“. Der Körper bleibt am Leben, man stirbt aber innerlich und wird neu geboren.
Die abgeschwächte und weniger gefährliche Version davon ist es, wenn man es schafft zu meditieren und dabei lernt, sich selbst zu vergessen und dabei das Gehirn auszuschalten. Dann kann man sich mit etwas Distanz selbst betrachten und kann dabei die notwendigen Updates zur Persönlichkeit durchführen lassen.
© Zerdenker 2021-08-15