Verloren von @die Bezzie-Spürnasen

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von die_Bezzie_Spürnasen

Story
Luxor, Ägypten 2019

Ich wollte noch schnell etwas erledigen, aber es dauerte länger als gedacht. Müde rieb ich mir die Augen, als ich vor meinem Laptop saß und mein digitales Notizbuch suchte. Das Notizbuch enthält all meine Reiseerlebnisse in Luxor / Ägypten. Während der Suche kommt mir diese eine Geschichte in den Sinn.

Am nächsten Tag erkundeten meine beste Freundin und ich die Westbank von Luxor. Die Sonne brannte, und ich trug eine Baseballkappe und Sonnenbrille. Meine Freundin wollte unbedingt das Haus finden, wo ich einen „Heiratsantrag“ bekommen hatte. Wir gingen zur Hauptstraße, grüßten die Nachbarn und ignorierten die Tuk-Tuk-Fahrer, die uns täglich fragten, ob wir fahren wollten. Nahe dem Nil rief jemand den Namen meiner Freundin. Es war Youssef, den sie nicht mochte. Sie stellte ihn mir pflichtschuldig vor und er streckte seine Hand zur Begrüßung aus. Ich erwiderte den Händedruck höflich. Großer Fehler! Trotz meiner Bemühungen, mich von ihm loszureißen, wurde ich ihn nicht los. Egal, was ich versuchte, der Abstand blieb gleich. Es wirkte wie ein merkwürdiger Tanz. Ich ging einen Schritt zurück, er folgte mir mit einem Schritt vorwärts. Meine Hand hielt er dabei fest umklammert. Ich war so darauf konzentriert, ihn loszuwerden, dass ich erst nicht bemerkte, wie er mich auf einen Acker führte. Unterdessen strich er mir ständig über den Arm, während er immer wieder „Jubnuh“ (Käse) murmelte, bezogen auf meine helle Haut. „Ich werde dich sehr glücklich machen“, raunte er mir dann zu und deutete mit seinem Kopf auf ein Gebüsch, dass am Ackerrand stand. Mir sträubten sich die Nackenhaare. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Nicht das auch noch, dachte ich verzweifelt. Äußerlich blieb ich ruhig. Ich betete insgeheim, dass meine Freundin noch da war.

Gott sei Dank blieb meine Freundin in der Nähe, obwohl Youssef sie wie ein kleines Kind zum nächsten Kiosk wegschicken wollte. Ihre Anwesenheit vereitelten natürlich seine Pläne. Sie ließ uns die ganze Zeit nicht aus den Augen. Meine ganze Aufmerksamkeit war auf ihn gerichtet. Wann ich mich endlich von ihm loseisen konnte. Frustriert ließ er uns nach einer gewissen Weile weitergehen, weil er nicht das bekam, was er sich erhofft hatte. Nach diesem Erlebnis fühlte ich mich als Frau schmutzig und erniedrigt. Ich hatte gedacht, sowas nie wieder fühlen zu müssen. Geschockt von der Begegnung, verlor ich die Lust, das Haus zu finden.

Aber meine Freundin ließ einfach nicht locker. Ich wollte auch nicht den Weg zurückgehen und diesem widerlichen Kerl wieder begegnen. Schließlich riss ich mich zusammen. Ich erinnerte mich, dass wir am Abend zuvor an Zuckerrohrfeldern vorbeigefahren waren. In dieser Straße waren Zuckerrohrfelder. Wir folgten diesem Weg, in der Hoffnung, dass es der richtige war. Nach einer Weile sah ich in der Ferne eine riesige Staubwolke auf uns zurasen. „Der sieht doch nichts“, wunderte ich mich noch. Abrupt bremste der Wagen scharf vor uns ab. Wir sprangen noch rechtzeitig an den Straßenrand. Diese Staubwolke hüllte uns ein. Ich hustete. Plötzlich sprang ihr Freund aus dem Auto. Mit weit ausgebreiteten Armen scheuchte er uns ins Auto. „Das ist keine gute Gegend“, schimpfte er. Ehe wir angeschnallt waren, fuhr der Wagen schon wieder an. Wir waren schneller zu Hause, als wir dachten.

© die_Bezzie_Spürnasen 2024-07-06

Buchkategorie
Romane & Erzählungen
Stimmung
Emotional, Angespannt
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