von Eva Filice
Hauptstadt des Baskenlandes: San Sebastian oder Bilbao? Weit gefehlt! Bei der Urlaubsplanung überraschte mich der Name Vitoria Gasteiz. Neugierig geworden, wollten wir diese Stadt kennenlernen.
Vitoria Gasteiz stand auf unserem Sonntagsprogramm. Schon der Weg ins Landesinnere überraschte uns wie so vieles im Baskenland. Die Fahrt durch die Gebirgslandschaft des Parque Natural de Urkiola war beeindruckend, geprägt von Föhren und Laubbäumen.
Vom Norden kommend erreichten wir die uns unbekannte Hauptstadt. Den Parkplatz vor einem Restaurant sahen wir als gutes Zeichen. „Menu di fine settimane“ zu 14,40 € klang verlockend. Ob es um 13:20 noch ein Mittagessen gibt? „In 10 Minuten wird der Speisesaal geöffnet“, meinte der Wirt. Um diese Zeit gibt es in Österreich nur mehr mit viel Glück ein Mittagessen. Nach einer Stunde war der Saal voll. Wir zwei unter lauter Einheimischen. Das mehrgängige Menü inklusive Wein und Wasser war köstlich! Das erforderte eine Rast in einem schattigen Park, da es sehr heiß war. Mehr als 34° im Juni waren auch für das Baskenland eine ungewöhnliche Hitze.
Und dann waren wir neugierig auf Vitoria Gasteiz. Ein wunderschöner Platz vor der Catedral Vieja bot eine südländische Kulisse mit fröhlichem Treiben. Kinder liefen übermütig umher, die Erwachsenen saßen im Freien vor den Restaurants. Eine unbeschwerte Sonntagsstimmung war spürbar.
Wir erkundeten die obere Stadt mit schönen alten Herrenhäusern und Palästen und kamen dann über Rolltreppen – wie gewohnt im Freien, aber hier mit Glas überdacht – in die untere Stadt, in die historische Altstadt (Alde Zahrraz auf Baskisch).
Die Schönheit der Stadt überwältigte uns. Besonders die Eleganz der Plazade la Virgen Blanca. Der zentrale Platz weitet sich nach Süden trapezförmig leicht abfallend aus. Am höchsten Punkt befindet sich die San Miguel Eliza/Iglesia de San Miguel Arcángel, wo zwischen den beiden großen Bögen eine Statue der Virgen Blanca steht. In der Mitte des Platzes steht das Monumento a la Batalia de Vitoria, das an die Schlacht von Vitoria im Jahre 1813 erinnert (Niederlage der französischen Invasionstruppen). Besonders hübsch sind die weißen verglasten Holzbalkone der gepflegten Häuser auf diesem Platz, sie erinnerten mich an La Coruña. Der Platz verlockte zum Verweilen und zum Staunen. Zum Glück konnten wir im Schatten von Bäumen den ungewöhnlich hohen Temperaturen trotzen. Unvorstellbar, dass im Winter die Temperaturen so tief sind, dass die Hochebene von Vitoria Gasteiz als „Sibirien des Baskenlandes“ bezeichnet wird.
Beim Bummel durch die Stadt eröffnete sich ein weiterer quadratischer Platz, die Espainia Plaza.Hier beeindrucken die neoklassizistischen Gebäude, die den Platz umgeben, auf dem sich das auch Rathaus befindet. Wir schlenderten durch die Gassen bis zum baskischen Parlament. Im benachbarten blumenreichen Florida Parkea verweilten wir zufrieden unter Einheimischen in einem gemütlichen Café.
© Eva Filice 2021-03-09