von Louis Eikemper
„Wie schön es doch ist, mehrere Frauen beglücken zu können“, schwärmte Aleron selbstzufrieden vor seinem engsten Vertrauten Darian, während sie gemeinsam eine Wasserpfeife im Kaffeehaus genossen. Mit überschwänglichen Worten pries er die Tollkühnheit der Abwechslung und die Süße der Wonne an, die darin lag, dass man als Mann in den Duft verschiedener Blumen eintauchen durfte.
Darian staunte, als seine Augen sich weiteten.
„Wie im Paradies“, dachte er. „Warum sollte man auch nicht vom Honig mehrerer Damen kosten, wie mein werter Freund es wohl Nacht für Nacht zu treiben pflegt?“
So nahm Darian sich bald eine zweite Frau zur Gemahlin.
Doch als er in der Hochzeitsnacht das Bett mit ihr teilen wollte, wies sie ihn zornig zurück.
„Fasse mich nicht an! Geh zu deiner ersten Frau. Entweder du willst mich – oder sie. Ich werde sicher nicht das dritte Rad am Wagen geben.“
Trost suchend wandte Darian sich daraufhin seiner ersten Gemahlin zu. Doch als er zu ihr unter die Decke schlüpfen wollte, schimpfte auch sie entrüstet:
„Spinnst du? Wenn du eine andere geheiratet hast und ich dir nicht mehr genüge, dann geh zu ihr!“
So kam es, dass Darian, peinlich berührt, sein Haus verließ, um Zuflucht in den heiligen Hallen der Kirche zu suchen. Dort kniete er nieder und versuchte, in den Klang der Stille einzutauchen.
Doch kaum hatte sich sein Geist beruhigt, da vernahm er ein leises Räuspern hinter sich.
Als Darian sich umdrehte, erkannte er zu seiner Verwunderung Aleron.
„Was machst du denn hier?“
Aleron seufzte schwer. „Meine Gattinnen lassen mich seit Wochen nicht mehr zu sich.“
„Aber warum hast du mir dann vorgeschwärmt, wie schön es doch wäre, zwei Frauen zu haben?“
Da senkte Aleron beschämt den Blick.
„Weil ich mich so einsam fühlte – und inständig hoffte, eines Tages einen Freund hier anzutreffen, der mein Leid versteht.“
© Louis Eikemper 2025-11-02