von Tanja Frei
Anfang des Jahres wurde mir die wohl spannendste Frage meines bisherigen Lebens gestellt (ich liebe Fragen – vor allem, wenn sie mich zum Nachdenken anregen und in mich gehen lassen). Die Frage lautete: Was verbirgt sich hinter dieser Freiheit, die ich mein Leben lang schon suche? Eine Frage, die mich in den letzten Monaten begleitet hat, die mich mir selbst näher gebracht hat und die ich heute glaube, immer präziser beantworten zu können.
Freiheit bedeutet fĂĽr mich, so sein zu dĂĽrfen, wie ich bin. Mit all meinen Fähigkeiten und Eigenschaften gesehen und respektiert zu werden. Mein bestes und ehrlichstes Ich zu sein. Frei und unkontrolliert zu entscheiden, was ich tue und wer ich bin. Selbstbewusst zu sein. Meine Träume und WĂĽnsche zu verwirklichen, ohne dass ich mich daran hindern lasse. Ich kenne dieses wunderbare und einzigartige GefĂĽhl der Freiheit sehr gut – und doch verliere ich es immer wieder und fĂĽhle mich schnell eingesperrt. Habe das GefĂĽhl, mich befreien zu mĂĽssen. Immer wieder ein Kraftakt. Aber vielleicht muss es so sein, damit ich immer wieder zu mir komme, gut fĂĽr mich sorge – mich so befreie. Niemand sperrt mich ein. Nur ich selbst.
Ich glaube, Freiheit ist etwas Individuelles, für mich persönlich etwas Grosses. Nicht für alle gleich wichtig. Aber wie funktioniert Freiheit? Frei sein zu wollen zieht sich durch mein ganzes Leben. Mal kämpfe ich weniger, mal mehr um meine Freiheit. Seit mir das bewusst ist, folgt ein Befreiungsschlag auf den anderen. Freiheit kommt nicht von aussen, sie kommt von innen. Eng, dunkel und schmerzhaft fühlt es sich an, kurz vor dem Befreiungsschlag. Ein Befreiungsschlag, der immer mit einer Entscheidung einhergeht. Wachstumsschmerz. Vielleicht ist es das. An Entscheidungen wächst man doch immer, oder?
Ich will frei sein, in allen Bereichen meines Lebens. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich mich in jedem Moment von der Freiheit leiten liesse? Wenn ich nur Entscheidungen träfe, die mich persönlich befreien? Die mich so sein lassen, wie ich bin? Mich mir selbst näher bringen? Mich den Platz einnehmen lassen, den ich einnehmen will? Mich stolz machen auf mich und auf das, was ich tue? Mich gross und sichtbar machen? Wie wäre es, wenn ich mich langsam durch die Welt bewege, statt schnell irgendwohin zu hetzen? Wenn ich einfach meine Zeit, meinen Platz und meinen Raum in dieser Welt einnehme? Weil ich allein entscheide, wie viel davon mir zusteht?
Mit einer gut gefĂĽllten Werkzeugkiste mache ich mich auf den Weg. Halte mich an meiner Form fest. Sie bröckelt. Ich feile, schleife, klebe und säge in meinem Innersten – so lange bis sich alles richtig anfĂĽhlt. Bis ich den Draht zu mir selbst finde. Bis er von selbst durch die Ă–ffnungen und Durchgänge gleitet. Bis ich mich mit mir selbst verbinden kann, mich in mir selbst zu Hause fĂĽhle. Denn dann kann geschehen, was geschehen will, weil alles vollständig ist. Ich vollständig bin. Und die Freiheit mich mit Leichtigkeit durchs Leben trägt. Ich mit mir im Reinen bin.
© Tanja Frei 2024-06-20