von Katrin Gröber
// Ich sitze schon seit einer ganzen Weile auf meinem Sofa, mein Notizbuch liegt aufgeschlagen neben mir und starre an die Wand. Auf der Suche nach der einen Antwort. Auf meinem Notizbuch steht in krakeliger Schrift PRO und KONTRA. Darunter eine Auflistung von meinen Gefühlen und Gedanken. Studium oder fester Job. Ich bin überfordert. Weiß es nicht und beginne meine Freunde auszufragen. Ihnen von meinem Vorhaben zu berichten, den Job zu kündigen, um noch zu studieren. Ich führe Gespräche mit Leuten, die regelrecht vom Studium schwärmen, wie schön es ist und dass ich auf jeden Fall studieren sollte. Dass ich diese Phase im Leben nicht verpassen darf. Ich rede mit Menschen, die Zweifel haben, denen die Sicherheit und das gute Einkommen wichtiger ist. Und ich rede mit Menschen, die sich wünschen, dass ich ganz nach mir entscheide. Die sich sicher sind, was immer dabei herauskommt, es wird richtig sein. Und während all diesen Gesprächen beginne ich es langsam auch zu verstehen. Denn egal mit wem ich spreche, niemand gibt mir das Gefühl »Ja, das ist es. Das will ich machen.«. Niemand kann mir sagen, was ich tun will. Sie sagen mir, was sie selbst tun würden. Nur bedeutet das nicht, dass mir das Studium genauso viel Spaß machen wird oder das mir ein geregeltes Einkommen genauso wichtig ist. Also starre ich an meine Wand, beginne meine wilden Gedanken zu Papier zu bringen und versuche nur auf mich selbst zu hören. //
Wir lassen uns viel zu schnell beeinflussen. Weil wir dazugehören wollen, weil wir angesehen sein wollen oder weil wir ganz einfach auch das erleben und fühlen wollen, was die anderen erfahren haben. Dabei vergessen wir, dass uns eine Gruppe, in die wir uns eingezwängt haben – uns angepasst haben – nie so glücklich machen wird wie die Gruppe, die ganz automatisch zu uns findet. Zu der Person, die wir sein wollen. Nicht die Person, die die anderen wollen. Nicht die Person, die das macht, was die Mehrheit für richtig hält. Vergesst nie, dass es um euch geht. Dass es euer Leben ist, dass ihr gerade lebt. Es geht darum, dass es euch gut geht. Nicht darum, was die anderen von euch denken. In meiner Schulzeit sagten meine Freunde, sie beneideten mein Selbstbewusstsein. Dabei fühlte es sich damals nicht so an, als hätte ich viel davon. Mittlerweile habe ich es gelernt. Durch Zeit, Erfahrungen und echte Freunde. Und wenn ich ein Geheimnis teilen darf: Es macht auch verdammt viel Spaß, aus der Reihe zu tanzen und einfach sein eigenes Ding zu machen. Dass was uns selber guttut, ohne das man irgendjemanden gefallen will. In einem Anflug aus Neugier, Trotz und Mut habe ich mir die Haare abrasiert und in den darauffolgenden Tagen habe ich gelernt, dass es nicht immer leicht ist, zu sich zu stehen, dass die Leute reden ganz egal was man tut und man, indem man man selbst ist, die Leute anzieht, die einen auch wirklich mögen. Also lebt nicht das Leben, das irgendjemand von euch erwartet. Sondern das, was ihr selber wollt. Traut euch ihr selbst zu sein. Sich nach den Wünschen und Erwartungen anderer zu entscheiden wird euch nie richtig glücklich machen. Bleibt bei euch und lasst eure eigene innere Stimme lauter werden.
© Katrin Gröber 2024-09-02