Wasser

Roswitha Springschitz

von Roswitha Springschitz

Story

„Vor dem Gasthaus Königsalm standen zwei große, Schatten spendende Bäume. Dort befand sich der Gastgarten. Die Wirtsstube hatte einen geölten Schiffboden; die Einrichtung bestand aus einfachen Holztischen und Holzbänken, mit Holztäfelungen an den Wänden. Ein Bild des ehemaligen Besitzers des Wirtshauses, Leopold Klein senior, auch „Sauwirt“ genannt, hing in der Wirtsstube. Die Toiletten waren stinkende Plumpsklos. Wasser gab es aus dem einzigen Brunnen der Gegend, beim Wirtshaus.


Ein unverbrieftes Recht sicherte den Bewohnern und Bewohnerinnen der Streusiedlung die Verwendung des Brunnens: Jeder und jede durfte sich von dem Brunnen ausreichend Trinkwasser holen.“, berichtet Christian.


„Ich erinnere mich deutlich an einen Eklat in Sachen Wasser!“, setzt er fort. „Ich spielte friedlich in der Sandkiste.im Hof, als Herr Zierlinger, ein Holzfäller und Waldprodukthändler, vom Lebensgefährten meiner Großmutter, Herrn Schröder, daran gehindert wurde, Wasser vom Brunnen zu holen. (Meine Großmutter war verwitwet; mein Großvater war in russischer Kriegsgefangenschaft auf tragische Weise verstorben.) Vermutlich konnte Herr Schröder den Holzfäller nicht leiden; möglicherweise war er eifersüchtig, wie auch immer. Jedenfalls verbot er dem Mann Wasser zu entnehmen, worauf eine Rauferei zwischen den Männern begann.


Reglos saß ich in der Sandkiste, die Hühner spazierten gackernd im Hof umher, während die beiden Männer sich mit Faustschlägen und Hieben so lange attackierten, bis der körperlich unterlegene Herr Schröder zu Boden ging und bewusstlos liegenblieb. Da lief ich ins Gasthaus und berichtete meiner Großmutter: ‚Der Schröder liegt draußen und rührt sich nicht mehr!‘ Sofort eilte meine Großmutter mit einigen anderen in den Hof, um den Verletzten zu bergen und zu versorgen.

Weitere Konsequenzen hatte diese Rauferei dann nicht. Herr Schröder verbot niemandem mehr, Wasser zu holen … Dieser Vorfall zeigt, dass ich als Wirtshauskind alle möglichen Derbheiten zwischen Erwachsenen immer wieder hautnah miterleben durfte.“

© Roswitha Springschitz 2026-04-13

Buchkategorie
Biografien
Stimmung
Abenteuerlich, Herausfordernd, Dunkel, Emotional, Reflektierend
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