von KlaraFrühling
„Was, schon aus?“ …. “Die Zeit mit Ihnen vergeht irgendwie viel schneller ”….Wenn ich solche Sätze höre, weiß ich, dass ich bzw. wir, unsere Stunde zumindest richtig kurzweilig gestaltet haben. Alles was nicht als langweilig eingestuft wird, gilt als Erfolg. Somit stimmen mich solche Aussagen schon recht optimistisch, dass eventuell sogar etwas vom behandelten Stoff hängen geblieben ist. Gute Stunden kann man eigentlich nur dann für sich verbuchen, wenn man entweder alleine oder mit einem Partner unterrichtet, mit dem man sich gut, beinahe schon blind, versteht. Da ist es dann egal, ob man die Stunde minutiös bis ins kleinste Detail geplant hat oder eventuell den Plan für die Stunde intuitiv währenddessen umwirft und an die jeweilige Situation anpasst.
Bisher hatte ich eigentlich fast immer Glück mit meinen mir zugewiesenen Partner/innen und hatte somit einige gute und häufig unterhaltsame Stunden.
Da war der Erste, der Große, mit den abrasierten Haaren, der so ein richtiger sonniger Teddybär war. Er hatte eine Vorliebe für Schinken-Käse-Toast mit Ketchup in Mengen (würg) und hippe Musik (yeah). Er hatte Träume und arbeitete daran, sie zu verwirklichen. Gleichzeitig war da eine gepflegte, blonde Reisefreudige älteren Semesters. Sie blieb einmal vor mir mit gerunzelten Augenbrauen stehen. Mitten in der Klasse. Sie bückte sich und zog einen Feinstrumpfsocken aus ihrer Röhrenhose, den sie am Vorabend offensichtlich beim Ausziehen vergessen hatte, aus der Hose herauszuziehen. Sie lachte mich herzlich an und steckte ihn schnell in ihre Hosentasche. Außer mir hatte es keiner bemerkt, denn die Kinder waren eifrig beim Schreiben. Irgendwann war da eine schwarzhaarige, junge Mittehundertjährige, die furchtbar neugierig war. Von der man, wenn man genauer darüber nachdenkt, kaum etwas wusste. Sie war ein gern-gesund-aber-gut-essendes Mysterium, die in ihrem Garten Edelkastanien gepflanzt hatte. Ich kann mich gut an die feurige Rothaarige erinnern, die spät aber doch, das Fliegen erlernt hatte und das Zuckerbrot und Peitsche – Spiel mit Bravour meisterte. Die große Brünette, der schlauste Mensch, den ich kenne, wie ich immer sage, ideenreich, positiv, lösungsorientiert, hilfsbereit, so wie man sie nur selten trifft, die hat wirklich angepackt. Und unglaublicherweise gab es da noch eine von der Sorte – das musische Sprachentalent, die so hilfsbereit und fürsorglich ist und einfach weiß, wie es geht.
Dann war eine Pause.
Und jetzt bin ich in einer neuen Schule. Hier begleitet mich ein sportlicher, witziger Typ, der auf 100 Hochzeiten gleichzeitig tanzt, aber wenns drauf ankommt, meist da ist. Außer, er ist auf einer seiner Hochzeiten. Es läuft ganz gut, auch wenn wir so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht. Er hat den Bleifuß und ich bin die Bremse.
Bis jetzt hatte ich fast immer Glück bei den mir zugewiesenen Unterrichtspartner/innen. Sie tragen dazu bei, dass ich meinen Job gerne mache. Und so solls auch sein.
© KlaraFrühling 2023-01-10