Nun geht’s wieder los mit den “Liebesg’schichten und Heiratssachen”, Österreichs beliebtester Fernseh- Kuppelshow. Für alle, bei denen es trotz eifrigster Bemühungen nicht klappt, bringt ein alter Schlager zumindest temporären Trost: “Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling! Schade um die Tränen in der Nacht…” 1964 gewann die schwedische Sängerin Siw Malmquist mit diesem Lied den 1. Preis der Deutschen Schlagerfestspiele in Baden-Baden. Die Musik stammte von Christian Bruhn, der Text von Georg Buschor.
Georg Buschor wurde am 14. März 1923 in Athen geboren, wo sein Vater das Deutsche Archäologische Institut leitete. 1929 hieß es “Akropolis, ade!” Die Familie übersiedelte nach München. Dort besuchte Georg auch die Schule. Nach dem Krieg begann er, Philosophie und Theaterwissenschaften zu studieren, tingelte als Liedermacher durch Schwabing und schrieb ebenso für andere Künstler wie Lale Andersen und Lolita. Als monatlich 200 DM an Tantiemen auf Buschors Konto waren, hängte er die Gitarre an den Nagel und verlegte sich auf das Texten.
Anfang der 60er Jahre lernte Buschor im Tonstudio der Bavaria-Film den Komponisten Christian Bruhn kennen. Die zwei waren ein ideales Gespann: Buschor lieferte eine griffige Refrainzeile und legte sich sinnierend auf die Couch, und Bruhn entwickelte eine passende Melodie, die Buschor zu den nächsten Versen inspirierte. Und so entstanden “Midi-Midinette” und “Zwei kleine Italiener”, das erste deutschsprachige Lied, das sich mit der Gastarbeiterthematik beschäftigte. Cornelia Froboess, der einstige Kinderstar, gewann damit die Deutschen Schlagerfestspiele 1962. Dabei wäre das Lied eigentlich für Rocco Granata, den Sänger von “Marina” gedacht gewesen. Pech für ihn: Die Single wurde 1,3 Millionen Mal verkauft.
Buschor avancierte gemeinsam mit Bruhn zum Hitlieferanten. Kaum eine Sängerin, die an ihm vorbeikam. Er schrieb für Jacqueline Boyer („Mitsou“), Manuela („Schuld war nur der Bossanova“), Dorthe Kollo („Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“), Peggy March („Memories of Heidelberg“) und Katja Ebstein („Der Stern von Mykonos“). Einen Glücksgriff machte das kreative Duo auch mit der Französin Mireille Mathieu, die in Deutschland zum Star wurde. Einige Hits, die die zwei für sie schrieben, waren „Hinter den Kulissen von Paris,” An einem Sonntag in Avignon“ und “Meine Welt ist die Musik”, für Bruhn das schönste gemeinsame Werk. Man könnte Georg Buschor auch hellseherische Fähigkeiten unterstellen. 1968, als Internet und Online-Partnerbörsen noch in ungeahnter Ferne waren, dichtete er für France Gall: ”Der Computer Nr. 3 sucht für mich den richtigen Boy, und die Liebe ist garantiert für beide dabei…“
Ende der 70erJahre tauchte der Name des Erfolgstexters nur noch selten in den Charts auf. Buschor zog sich aus dem Showbusiness zurück und lebte mit seiner Frau im Tessin, wo er Wein und Oliven anbaute und am 11. Februar 2005 im 82. Lebensjahr in Lugano starb.
© 2021-07-17