Wer schrieb “So ein Tag, so wunderschön…”?

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Noch ist Fußball-Italien im Siegestaumel. Im Gegensatz zu Deutschland. Das Lied, mit dem die Deutschen gern ihr kollektives Glücksgefühl zum Ausdruck bringen, blieb bei dieser EM ungesungen. “So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergeh’n…” Walter Rothenburg hat sich diesen Text 1952 für ein Karnevalslied einfallen lassen. Die Musik stammt von Lotar Olias.

Geboren wurde Walter Rothenburg am 28. Dezember 1889 in Hamburg-Eimsbüttel. Schon in jungen Jahren zog es ihn in die Ferne und er fuhr als Schiffsjunge zur See. In dieser Zeit schrieb er Lieder auf Plattdeutsch. Manche davon wurden so populär, dass sie heute viele Hamburger für alte Volksweisen halten.

In den 1920erJahren startete Rothenburg, der in den USA mit dem Boxsport in Berührung gekommen war, in Deutschland eine sensationelle Karriere als Boxpromotor. 1925 veranstaltete er den ersten Boxkampf im Berliner Sportpalast. Für den Kampf Walter Neusel gegen Max Schmeling ließ er 1934 in Hamburg eine Sandrennbahn zu einer Arena umgestalten, die fast 100.000 Besuchern Platz bot – ein Zuschauerrekord, der bis heute nicht eingestellt wurde. Rothenburg liebte die Gigantonomie: Für den Kampf Max Schmeling gegen den Amerikaner Steve Hamas ließ er 1935 innerhalb von 42 Tagen in Hamburg eine Lagerhalle zur damals größten überdachten Sportarena der Welt umbauen.

Nach seinem Abschied vom Boxring arbeitete Wero, so sein Kürzel, als Schriftsteller und Textdichter. Als Liedtexter war er so produktiv, dass seine Komponisten Lotar Olias, Michael Jary und Gerhard Winkler kaum nachkamen. Ein großer Wurf gelang ihm mit “So ein Tag so wunderschön wie heute”. Als Auftrittslied der Mainzer Hofsänger in der Fastnacht 1952 wurde es über Nacht zum Karnevalsschlager. 1954 wurde es in den Film “Geld aus Luft” eingebaut, Lonny Kellner verhalf ihm so zu weiterer Popularität. Auch Freddy Quinn nahm das Lied sein Repertoire auf, dann machten es die Fußballfans zu ihrer Freudenhymne und sogar beim Fall der Berliner Mauer erklang aus tausenden Kehlen: “So ein Tag, so wunderschön wie heute…” Und noch ein Lied aus der Feder von Rothenburg ist bestens geeignet für die Bekundung grenzenlose Freude: “Oh, wie ist das schön!”

1954 brachte der Komponist Lotar Olias in Hamburg die Operetten-Revue “Heimweh nach St. Pauli” heraus. Das Libretto schrieb Gustav Kampendonk. Walter Rothenburg steuerte einige Liedtexte bei. Neun Jahre später wurde daraus ein Musical gemacht, später noch ein Film. Darin spielte Freddy Quinn die Hauptrolle und landete mit „Junge, komm bald wieder” einen Riesenhit. 2,5 Millionen Singles wurden verkauft.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Walter Rothenburg, in Ascona in der Schweiz. Nicht aus Steuergründen, sondern der gesunden Luft wegen, wie er behauptete. Rothenburg starb am 10. März 1975 in Ascona, wurde aber als echter Hamburger Jung in Hamburg-Ohlsdorf beigesetzt. Ihm zu Ehren wurde eine Brücke im Stadtteil Neuallermöhe benannt.

© 2021-07-13

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