Laut meiner Gehirn-Jogging-App bin ich 51 Jahre jung. Oder Jahre alt? Alt lässt sie mich zumindest regelmäßig aussehen, diese App.
Wenn ich mich mit meinen Freundinnen ausleben kann, wir feiern gehen, Mädchendinge tun, dann sind wir in der goldenen Blüte unserer 20er. Fantastische Figur, beneidenswerte Haut.
Spiele ich mit meinem 2-jährigen Sohn, kann meiner Kreativität freien Lauf lassen und einfach rumtoben, dann fühle ich mich zurückversetzt in mein 8-jähriges Ich. Ich vermisse diese unbeschwerte Zeit.
In meiner Arbeitswelt strahle ich die Souveränität und Expertise einer 40- oder 50-Jährigen aus. So genieße ich den Respekt meiner Kunden und Kollegen.
Mit meinen Geschwistern kann ich mich streiten, als wären wir pubertierende Teenager. Kindisch ohne Ende. Pickelige 14-Jährige eben.
Mein Partner bekommt häufig Standpauken von seiner 60-jährigen Mutter. In meiner Person. Wenn wieder an allen erdenklichen Stellen Schmutzwäsche verteilt liegt, die glasklar in den Wäschekorb gehört hätte.
Wenn ich am Bett meines sterbenden Vaters sitze, dann bin ich vieles.
Die belehrende erwachsene Tochter, ohne dessen Anweisungen und Strukturen er sich in seiner Demenz verlieren würde. Manchmal bin ich aber nur das 10-Jährige Mädchen, das ihren Papa über alles liebt, weint, weil es seinen Papa vermisst und einfach nur wie früher mit ihm stundenlang Barbie spielen möchte.
An manchen Tagen fühle ich mich wie 100. Weil mein Körper brennt, meine Seele schmerzt.
Dabei bin ich doch erst 31.
© Madeleine Zimmermann 2025-10-06