Wie ich mit meinem Müll ins Fernsehen kam

Flora Juraszovich

von Flora Juraszovich

Story
2019

2019 habe ich einen Selbstversuch gestartet. Um herauszufinden wie viel Müll ich als Singlehaushalt mit 2 Katzen und einem Hund produziere, habe ich 4 Wochen lang meinen Müll gewaschen und gesammelt. Auch beim Fortgehen und auf Reisen, habe ich jede Rechnung, jeden Papierteller und jede Bierdose in meine Tasche gepackt und mit Heim genommen. Das Ergebnis des ersten Monats ergab 3 volle Müllsäcke. Weitere 5 Monate Zero Waste sollten folgen. “Jetzt is sie irre” habe ich über mich selbst gedacht, als ich so in der Küche stand, Kastanien geschält, zerkleinert und im Backrohr getrocknet habe, um daraus Waschmittel herzustellen, während Haferflocken für Hafermilch, im Wasser bereitgestellt waren.

Die erste Woche meines “Zero Waste” Selbstversuchs brachte ich während einer Uni-Exkursion, in Lyon hinter mich. Ausgestattet mit Tupperware, Cafebecher und Geschirrtuch, setze ich mich mit meinen Kolleg*innen ins Flugzeug, wo ich als “Belohnung” prompt meinen 0,8l Becher mit Tomatensaft vollgefüllt bekommen habe – der Steward meinte es wirklich gut mit mir.

Mein Versuch war ständig Thema – im guten Sinn! Als ich zurückkam, erzählte mein Vater mir von einem Schulausflug mit seiner Klasse. Während einer Wanderung machten sie Rast auf einer Hütte. Jede*r sollte ein Jausensackerl bekommen, inklusive einer Wasserflasche. Mein Vater lehnte diese ab, weil er und alle anderen eigene Flaschen mit hatten und es neben der Hütte Quellwasser gab. Die Wirtin war sehr erstaunt als alle PET Flaschen stehen blieben, freute sich dann aber darüber.

Auch meine Mutter sah es nun als ihre Aufgabe, ihre Arbeitskollegin darauf hinzuweisen, dass es doch viel sinnvoller wäre einen Sodastream, anstelle von mehrerer Liter Cola in der Woche zu kaufen.

Total beflügelt von so “viel” Impact, habe ich es geschafft meinen Müll auf ein kleines Säckchen pro Monat zu reduzieren.

Zufrieden habe ich meinen Müll 1,5 Jahre im Gartenhaus meiner Eltern geparkt.

But WHY?

Ich wollte den Selbstversuch gerne als Thema für meine Diplomarbeit nutzen und war mir sicher, den Müll noch für irgendwas zu brauchen – sehr zum Leidwesen meiner Eltern!

Vor ein paar Wochen war es dann so weit: Ich habe eine befreundete Fotografin darum gebeten Fotos von mir in meinem Müll zu machen.

Nice, ich wollte immer schon mal in meinem Müll baden! Not.

Aber was tut man nicht alles für die Kunst ;)

Gesagt, getan. Olivia war voll bei der Sache, hat mir Anweisungen gegeben und hatte sichtlich Freude daran, mich im Müll zu vergraben. Schon am selben Abend hat sie mir das erste Bild geschickt, mit den Worten “Hey Flo, ich würd gern eine Ausstellung mit dir machen!?”

Ich : “ÄH WAS? JA KLAR!!”

Sie: “Stell dir vor, wir könnten eine Bewegung draus machen? Leute finden, die auch ihren Müll sammeln?”

Ich:“ Geil!!Ur gute Idee!!“

Mit unserem Projekt Awaremess haben wir es schon 2 Wochen später ins Fernsehen geschafft und wollen so viele Menschen wie möglich dazu animieren ihr Konsumverhalten zu analysieren.

© Flora Juraszovich 2021-05-26

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