von Rene Schreiber
Wahrscheinlich wird niemand wissen, wo Helmahof liegt. Bevor wir zur Zugfahrt gehen erläutere ich es. Helmahof ist ein Siedlungsgebiet zwischen den Ortschaften Deutsch-Wagram, Strasshof an der Nordbahn und Bockfließ. Das Siedlungsgebiet gehört zu Deutsch-Wagram und hat erst seit 1982 eine Bahnstation.
Nun meine Eltern leben in Helmahof und ich mit meiner kleinen Familie lebe nahe dem Wiener Hauptbahnhof. Während in Helmahof bereits um 19 Uhr kaum wer zu sehen ist, tummeln sich am Hauptbahnhof unzählige Werktätige und Touristen. Fährt doch hier nicht nur der Fernverkehr, sondern auch die Buslinien 13A, 69A, die Straßenbahnen D, O, 18 und die U1. Der Bahnhof erstreckt sich vom Sonnwendviertel (Favoriten 10 Bezirk) bis nach Wieden (4. Bezirk). Dabei liegt die U1 Station schon in Wieden und im unterirdischen Gang wird vor der Bäckerei Ströck ausdrücklich daraufhingewiesen.
Soweit muss ich nicht gehen, wenn ich zu meinen Eltern will. Einfach im ersten Untergeschoß steige ich in die S-Bahn Richtung Floridsdorf ein. Dabei muss ich nur achten, dass der Zug nach Gänserndorf fährt und in allen Bahnhöfen und Haltestellen hält. Die Fahrt ist interessant für den kleinen Zwerg. Jede Station müssen wir durch das Fenster ganz genau begutachten. Von Hauptbahnhof starten wir zum Quartier Belvedere. Die Station liegt unter dem Einstiegsniveau und eigene Treppen fahren aus dem Zug hervor und es ist die ehemalige Station Südbahnhof. Danach geht es zum Rennweg, weiter nach Wien Mitte (Landstraße) und dann über den Praterstern mit seinem Riesenrad zur Traisengasse. Dann kommt der Handelskai mit dem Millennium Tower, ein gewühnliches Einkaufszentrum. Über die Donau nach Floridsdorf. Wir sind noch immer in Wien. Nun trennt sich die Strecke nach Hollabrunn von Gänserndorf und Mistelbach. Es wird nochmals darauf hingewiesen: “Sie befinden sich im Zug Richtung Gänserndorf!” Es geht nach einem kurzen Aufenthalt weiter zur Siemenstraße. Hier war lange Zeit ein uralter und behinderten-feindlicher Bahnsteig. So tief unten, dass man sportlich sein musste. Mit der Neugestaltung wurde der Bahnsteig wie alle Bahnhöfe konstruiert.
Wir kommen näher an den Stadtrand. Der nächste Halt ist Leopoldau, die Endstation der U1 und die Teilung zwischen Gänsendorf und Mistelbach. Es wird erneut darauf hingewiesen: “Sie befinden sich im Zug Richtung Gänserndorf!”Los geht’s! Der letzte Halt in Wien ist Süßenbrunn! Dieser Halt sieht wie Niederösterreich aus. So verschlafen und ruhig mit einer Hauptstraße, aber es ist tatsächlich Wien. Dann verlassen wir Wien und aus irgendeinem Eck steht der Schaffner da und sagt: “Fahrscheine bitte!” Unser nächster Halt ist Deutsch-Wagram, eine Stadt mit Geschichte. Hier verlor Österreich die Schlacht gegen Napoléon. Man kann sich und über den Bau der Bahntrasse informieren und dann in einer der Lokale genüsslich essen. Dann unser Ziel: Helmahof.
Ein ruhiges Fleckchen Erde, wo die Zeit stillgestanden ist.
© Rene Schreiber 2022-10-05