by Dorfbarbie
Es gibt immer noch Nächte, in denen ich von dir Träume. Manchmal extrem realistisch. Wenn ich dann aufwache und merke es war nur ein Traum, bin ich oft enttäuscht. Ich vermisse dich immer noch sehr. Du warst ein treuer Begleiter. Dein Verlust hat mich sehr getroffen.
Ich erinnere mich noch an unsere erste Begegnung. Es war Wochenende und ich schlief wie immer viel zu lange. Irgendwann hörte ich Geräusche von unten. Und Moment, war da etwa auch ein Bellen? Schlagartig saß ich im Bett. Konnte das wahr sein? Bist du nun wirklich ein Teil der Familie? Ich rannte die Treppen herunter. Ich musste aufpassen, nicht zu stolpern. Mich schauten viele Augenpaare an. Doch ich hatte nur Augen für dich. Ganz vorsichtig ging ich auf dich zu. Meine Familie hatte einen Kreis um dich gebildet. Sie machten mir Platz, damit mein Weg frei war, um zu dir zu kommen. Ich ging auf die Knie und streckte meine Hand nach dir aus. Viel zu stürmisch kamst du auf mich zu, lecktest meine Hand ab und dann sprangst du mich an. Es war ein magischer Moment für uns alle. Du warst endlich bei uns.
Viel zu schnell wurdest du immer größer. Du lerntest viele Kommandos, nicht weil du musstest, sondern weil es dir Spaß machte. Du wolltest immer bei allem dabei sein. Oft hast du an meinem Fußende im Bett geschlafen. Wir kuschelten viel und spielten noch mehr. Nach einer Weile kauften meine Eltern sich eine Ledercouch und du durftest nicht mehr rauf. Sie legten nachts Stühle auf das Sofa, doch das interessierte dich nicht. Du hast dich einfach dazwischen gelegt. Die Jahre vergingen und du wurdest immer älter. Ich aber auch. Ich zog bei meinen Eltern aus. Wir sahen uns nicht mehr so häufig. Ab und zu nahm ich dich mit zu mir. Und wenn meine Eltern in den Urlaub flogen, passte ich auf dich auf. Du hast dich immer gefreut mich zu sehen und du warst generell ein so liebevolles und friedvolles Wesen.
Doch die Jahre gingen nicht spurlos an dir vorbei. Dein glänzendes goldenes Fell wurde mit der Zeit immer weißer. Irgendwann sagten die Leute, du hättest ja schon eine weiße Maske im Gesicht. Doch ich konnte immer nur den bildhübschen Hund sehen, der du immer warst. Es war nicht nur die Fellfarbe die sich veränderte, auch der Rest veränderte sich. Du kamst nicht mehr so schnell hoch, deine Knochen, dein Körper, wollten nicht mehr so wie du wolltest. Das haben wir dir alle angesehen. Aber du hast nie aufgegeben. Du hast dir dein Lächeln und deine Freude nie nehmen lassen. Bis zu eines Tages richtig krank wurdest.
Plötzlich hast du kaum noch etwas gefressen, bis du dann dein Futter komplett verweigert hast. Alles haben wir ausprobiert. Wir sind mit dir zum Tierarzt gegangen und ließen sämtliche Tests machen. Nichts kam raus und nichts hat geholfen. Du bekamst eine Bluttransfusion und Infusionen. Wir haben alles versucht, um dich irgendwie am Leben zu erhalten. Doch deine Zeit war gekommen. Schweren Herzens mussten wir uns das eingestehen. Dieser Weg war nicht leicht für uns. Und für dich war es noch schwerer. Das wussten wir. Du wolltest uns nicht verlassen. Aber du hattest unglaubliche Schmerzen und keine Kraft mehr. Also ließen wir dich gehen. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages Wiedersehen, meine süße Joyce.
© Dorfbarbie 2023-07-24