Die Lagune von Venedig

Eva Filice

by Eva Filice

Story

Venedig beeindruckt durch seine 500 Brücken und 140 Kanäle. Wer würde annehmen, dass das historische Zentrum Venedigs auf einer Fläche von ca. 5.000 m² aus mehr als 120 Inseln besteht, die durch die vielen Brücken verbunden werden? Inseln ragten bereits im Mittelalter als Sandbänke aus den Sümpfen hervor. Heute schützt die Lagune Venedig und die unzähligen Inseln vor dem offenen Meer. Im Mündungsgebiet der wasserreichen Flüsse in die obere Adria wird aus dem Gebirge mittransportierter Sand und Geröll im Küstenbereich abgelagert. Dieser Vorgang ließ bereits seit Tausenden von Jahren Sandbänke (Litorali) entstehen. Somit wurde Venedig im Laufe der Zeit durch mehrere Landzungen vom offenen Meer weitgehend getrennt. Die gesamte Lagune, ein einzigartiges Ökosystem, erstreckt sich vom Mündungsgebiet des Flusses Sile im Norden und Brenta im Süden mit einer Länge von 55 km schützend vor Venedig. Es ist ein sensibles Landschaftsgebiet von 550 km², da es hier viele Fischgründe und ein einzigartiges schützenswertes Feuchtgebiet gibt. Die der Adria vorgelagerten Teile einer Nehrung – beginnend mit der Landzunge bei Punta Sabbioni, fortgesetzt beim Lido und der schmalen, 11 km langen Insel Pellestrina und Chioggia – trennen Venedig und viele Inseln vor dem offenen Meer. Bei den Durchlässen zwischen diesen Landteilen erfolgt durch die Gezeiten der erforderliche Austausch von Meerwasser und Süßwasser. Das Gebiet der gesamten Lagune von 550 km² kann somit nur durch drei Öffnungen entwässert werden. In einem Zeitungsartikel erfuhr ich von der “toten Lagune” (laguna morta), so kommt z.B. bei der Insel Torcello das Süßwasser beim Gezeitenwechsel kaum mit Meerwasser in Berührung. Im Bereich der Salzwasserlagune, der “lebenden Lagune” (laguna viva), erfolgt bei Ebbe und Flut ein Austausch von Meerwasser.

Durch die Position am nördlichen Ende der Adria machen sich vor allem die Winde aus der südlichen Richtung in Venedig unangenehm bemerkbar. Besonders der Scirocco drückt vom Süden wehend die Wassermassen in die Lagune, sodass auch ohne Regen das “alta acqua” Venedigs tiefer gelegene Stellen unter Wasser setzt. Eine Steigerung tritt ein, wenn die Flüsse bei Regenfällen in Norditalien vermehrt Wasser in die Lagune transportieren. Seit fünf Jahren schützt das Sturmflutsperrwerk MO.S.E. (Modulo Sperimentale Elettromeccanico) an den drei Öffnungen der Lagune Venedig mit 78 beweglichen Fluttoren vor Hochwasser.

Die optischen maritimen Signale sind Orientierungshilfen für die Schifffahrt und charakteristisch für das Lagunengebiet. Je nach Anzahl der in den Meeresboden eingerammten nummerierten Holzpfähle erkennen die Kundigen deren Bedeutung. Ein einzelner Eichenpfahl, die Palina dient zum Vertäuen der Boote. Die Pfähle in Gruppen der Briccola (Foto) begrenzen die befahrbaren Zonen und zeigen Untiefen an. Drei Pfähle, genannt Dama, markieren eine Einmündung oder Abzweigung. Auf der Fahrt zu den Inseln in der Lagune fallen diese typischen Wegweiser der Lagune besonders ins Auge. Dass die für die Glasbläserei berühmte Insel Murano sich aus sieben Inseln zusammensetzt, habe ich erst beim Studium eines Reiseführers erfahren. In Burano verbinden Brücken fünf Inseln. Nicht nur die bunten Häuser von Burano, sondern auch die große Anzahl der Briccole (ca. hunderttausend Stück) bieten sich verlockend als Fotomotiv bei Sonnenuntergang und auch bei Nebel an.

© Eva Filice 2026-06-11

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