Einbahnstraße

Nina Burian

by Nina Burian

Story

Was sollte man nicht tun, wenn man von der Polizei kontrolliert wird? Genau! Den Polizisten einen Trottel nennen.

Geile Scheiße, ich hab den Führerschein! Freudestrahlend schwang ich mich mit einer Freundin ins Auto. Beim Aumannplatz angekommen zuckelten wir im Schritttempo um die Häuserblöcke, da weit und breit kein Parkplatz in Sicht war. Hätten wir eigentlich dran denken können, schließlich gingen wir hier fast täglich zur Schule und nie sah man eine freie Lücke. Ich seufzte und bog in eine Gasse direkt neben meiner Schule ein. Ich ließ meinen Blick über die parkenden Autos schweifen, vielleicht war hier ja was frei? Da beschlich mich in mulmiges Gefühl. Etwas stimmte hier nicht. Ich stoppte.

Plötzlich klopfte es an meiner Scheibe. Zwei Polizisten stierten mich an. Ich kurbelte das Fenster runter und Polizist 1 verzog verächtlich den Mund: “Was glauben’S, warum hier alle Autos in die andere Richtung stehn?” Ich spürte wie mir das Blut in die Wangen schoss: “Ähm, weil das eine Einbahn ist?” flüsterte ich tonlos. Jetzt erst sah ich die riesige Hinweistafel, die mir so groß wie der Stephansdom erschien: “Baustelle: Achtung, Einbahn!”. Sie hatten in dieser Gasse die Einbahn umgedreht.

“Bingo.” P1 schaute mich streng an und bellte: “Führerschein, Fahrzeugpapiere und dann steigen’S aus und zeigen mir Ihr Pannendreieck und die Warnweste.” Mit Puddingknien schälte ich mich aus dem Auto. Ich wusste ganz genau, dass ich vor ein paar Tagen das gesamte Auto ausgeräumt und geputzt hatte. Und ich sah vor meinem inneren Auge das Pannendreieck und die Weste daheim im Vorzimmer liegen. Ich hatte sie nicht zurückgelegt.

Wenn man so in Panik ist, wie ich damals – ich hatte bis dato noch nie etwas mit der Polizei zu tun gehabt – macht man die bescheuertsten Sachen. So wühlte ich ewig lang in meinem Kofferraum in der absurden Hoffnung, die Polizisten würden irgendwann aufgeben und einfach gehen. Ich fing an zu heulen, denn mir war natürlich irgendwo klar, dass das eine sehr dumme Annahme war.

Ein paar Minuten später stand ich mit hängendem Kopf da und wollte mich reuig erklären. Acht Jahre bin ich hier ums Eck in die Schule gegangen, was bin ich nicht schusselig, das war nie Einbahn und überhaupt bin ich der ur Trottel. Leider japste ich richtiggehend, weil ich so heulte, deshalb stammelte ich den legendären Satz: “Ich war..” *schluchz* “8 Jahre in der Schule…” *japs* “…Trottel…” P1 Augen quollen aus seinem roten Gesicht hervor, P2 lachte. Ich wollte mich gerade entschuldigen, da fuchtelte P1 mit dem Finger vor meiner Nase: “DAS wird noch ein Nachspiel für Sie haben!”

Hatte es wirklich. Ein paar Wochen später flatterte Post ins Haus: 25 € wegen fehlendem Pannendreieck, 25 € wegen fehlender Warnweste, 50 € wegen gegen eine Einbahn fahren, 500 € für eine Nachschulung und vier Montagnachmittage meines Lebens, die ich mit irgendwelchen Verkehrspsychos verbringen musste. Und das alles wegen Polizist 1, dem Trottel!

© Nina Burian 2021-12-06

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