Fahren lernen

Chris Werner

by Chris Werner

Story

Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, ich war 6 oder 7 als mir meine Eltern ein Fahrrad schenkten ohne Stützräder. Es war schwarz und hatte leichte Lila oder Rote Maserungen.Ich freute mich sehr darüber, weil alle meine Freunde Fahrrad ohne Stützräder fahren konnten, natürlich wollte ich es auch. Jedoch war da die große Angst vor dem Fallen und ein sehr starrköpfiges Kind. Was eine Riesenherausforderung für meinen Vater war, der genauso hartnäckig wie ich war. Es war im Sommer und wir schoben das Rad voller Hoffnung an die frische Luft. Die Wahl fiel auf einen Schnurgeraden Radweg im Innenhof von unserem Wohngebiet, das heißt keinerlei Straßen und kein Gegenverkehr. Der kleine Junge mit Sturzhelm, Knie- und Ellenbogenschützern bewaffnet sitzt auf dem Fahrrad, was von meinem Vater gehalten wurde. Der Weg wurde in seinem Blickfeld immer länger und länger. Er schluckte tief als sie losfuhren, sein Lenkrad schwankte immer stärker und er fiel. Und dann wieder. Wieder und wieder. Dann hatte er sein Lenkrad im Griff aber traute sich nicht mehr loszufahren. Sein Vater redete ihm gut zu. > Du schaffst das.<. Er nahm all meinen Mut zusammen und fuhr los. >Papa, lass bitte nicht los. < rief er ihm zu, weil er Angst hatte, dass er ihn nicht hören kann. Es kommt jedoch keine Bestätigung, keinerlei Reaktion und dann drehte sich sein Kopf nach hinten und er sah wie sein Vater sehr weit weg stand. Er freute sich dermaßen über den Erfolg und der Junge freute sich auch wie ein Schneekönig das er alleine fuhr, jedoch hatte er vergessen sein Blick wieder nach vorne zu drehen. So schnell konnte er gar nicht schauen wie er den Asphalt küsste und lauthals anfing zu weinen. Heute kann ich darüber schmunzeln und mittlerweile ist es einer meiner liebsten Erinnerungen. Mein Vater eilte in einen lauf schritt zu mir und versicherte mir das alles halb so schlimm sei, da hat er jedoch die Rechnung ohne seinen Sohn gemacht. Ich stand auf weinte wie kleiner, aber bockte wie ein großer, als es darum ging wieder auf dieses Höllending von Fahrrad zu steigen. Er gab sich alle Mühe der Welt mir gut zuzureden und es mir schmackhaft zu machen, jedoch ohne Erfolg. Er redete mit Engelszungen auf mich ein, kein Erfolg. Meine Mutter tat es ihm gleich, kein Erfolg. Der kleine Junge war so stur, dass er es so weit trieb, dass das Fahrrad einige Monate vor unserer Eingangstür stand, ohne das ich jemals wieder drauf gestiegen bin und meine Eltern es schlussendlich verkaufen mussten, weil ich für das Fahrrad zu groß geworden war. Da ich keine Anstalten machte je wieder darauf zu steigen. Und nun habe ich auch keine Ahnung wie und wo ich das Fahrrad fahren gelernt habe nach dieser Geschichte.


Liebe Mutti und lieber Papa,

An all diesen Tagen habt ihr mir gezeigt das eure Liebe zu mir groß ist. Ich weiß nicht wie ihr diese zickige Art und das Gejammer aushalten konntet, jedoch vielen Dank für eure Mühe und das Durchhaltevermögen. Wäre es andersrum weiß ich nicht, ob ich die Geduld hätte.

Ich liebe euch.

Euer Sohn

© Chris Werner 2023-08-24

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Biographies
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Emotional, Komisch
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