Fast verhungert

Dorfbarbie

by Dorfbarbie

Story

“Ich will raus! Mach mir die Tür auf!” Na endlich, Mama ist aufgestanden. Sie bewegt sich in die richtige Richtung. Sie ist schon ganz nah. “Nun beeil dich schon!” Da höre ich das vertraute Klicken der Tür. Sie hat die Tür aufgemacht. Ich rieche die frische Luft und nehme einen großen Atemzug, dann sprinte ich heraus. Ich muss schnell sein, sonst ist die Tür wieder zu. Mama winkt mir noch und wünscht mir viel Spaß. Den werde ich haben.

Ich setzte mich erstmal hin, muss überlegen, wo ich als Erstes hingehen möchte. Zu den Nachbarn zwei Häuser weiter? Die nette Dame, die da wohnt, krault mir den Rücken immer so toll. Oder an den Zaun der Müller’s? Dann kommt Stella rausgerannt und bellt mich an, aber sie kriegt mich nicht, weil ich auf der richtigen Seite bin. Dann kann ich ihr meinen Bauch zeigen und sie ärgert sich krumm, weil sie mich nicht kriegt. Das macht immer riesigen Spaß. Oder ich gehe auf den Spielplatz und tu so als würde ich da mein Geschäft verrichten. Dann regen sich die alten Leute immer so auf und ich kann vor ihnen wegrennen, aber sie kriegen mich nicht, weil sie so langsam sind. Ich hab’s. Ich gehe zu dem kleinen Mädchen am Ende der Straße. Die gibt mir immer Leckerlis.

Ich putze mir noch schnell das Gesicht. Ich muss ja süß aussehen, damit mein Plan aufgeht. Erst über die Pfote lecken und dann die Pfote über’s Gesicht streichen. Das reicht noch nicht. Gleich nochmal. Schön gründlich, auch über die Ohren. Okay perfekt, auf geht’s. Ich muss in diese Richtung, nein in die. Moment, wo wollte ich nochmal hin? Ach ja genau, zu dem kleinen Mädchen. Ich muss diesem Weg folgen. Jetzt muss ich mich aber beeilen. Mein Magen knurrt schon. Meine letzte Mahlzeit ist schon 22 Minuten her. Ich halte es kaum noch aus. Noch ein Haus, dann bin ich da. Ich ziehe das Tempo nochmal an. Mir ist kein Hund auf der Straße begegnet, sehr gut. Da ist es, das Haus meiner Begierde. Schnell über den Zaun hüpfen. *Plumps* Oh das war nicht sehr elegant, naja hat bestimmt keiner gesehen. Die Terrassentür ist zu. Mist. Also erstmal Singen. “Liebstes Mädchen, ich weiß leider deinen Namen nicht, aber wärest du so freundlich herauszukommen, um mir meine, mir zustehenden Leckerlis zu geben? Ich bin kurz vor dem Verhungern. Bitte beeil dich.” Nichts geschieht. Also wiederholen. “Hier ist eine halb verhungerte Katze, Hilfe.” Ich höre Geräusche von drinnen. Sie kommt. Und da ist sie und macht die Tür auf. Was sehe ich da in ihren Händen? Meine liebsten Leckerbissen mit Fischgeschmack. Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Sie begrüßt mich und streichelt mich. Ich schleiche um ihre Beine und gucke sie ganz hoffnungsvoll und ausgehungert an. Da greift sie in die Packung und legt mir 5 Leckerlis auf den Boden. “Danke.” Ich verputze sie in zwei Sekunden und warte auf Nachschub. Da folgen nochmal 8. Das Mädchen kennt mich. So lecker. Sie krault mich unter dem Kinn als ich fertig bin. Das tut gut. Sie verabschiedet sich und meint, sie müsse jetzt weiter Hausaufgaben machen. Was auch immer das ist. Ich bin glücklich und drehe mich um, Richtung nach Hause.

Dort angekommen frage ich höflich, ob mich denn bitte jemand hereinlassen könnte. Natürlich braucht Mama, wie immer viel zu lange und ich muss ewig auf sie warten. Wenigstens hab ich so ein bisschen Zeit zum Singen. Als sie die Tür öffnet, renne ich rein. Jetzt muss ich mich erstmal erholen und ausruhen.

© Dorfbarbie 2023-07-24

Genres
Novels & Stories, Humor & Satire
Moods
Komisch