Du bäckst gerade Karottenkuchen, während ich, den Füller in meiner Hand, vor einem leeren Blatt Papier sitze. Ich will etwas über dich schreiben, ungetrübt und wahrhaftig will ich der Welt dein bunt schillerndes Wesen zeigen können. Doch Frust und Missmut stellen sich bei mir ein, finde ich doch einfach nicht die richtigen Ausdrücke, um deine Anmut und Lieblichkeit wirklichkeitsgetreu zu konterfeien. Brecht mir nicht die Treue, ihr Worte! So viel Kraft habt ihr und doch kann ich dieses Mal durch euch nicht zum Ausdruck bringen, was mein Herz mir zuflüstert. Ich tippe einige Male mit dem Stift auf die Tischplatte, als bestünde die Möglichkeit, ihm eine erleuchtende Eingebung zu entlocken, doch ist’s vergebene Müh‘: Mir fehlen die Worte, mir fehlen die Farben, um dies lebensfrohe Bild malen zu können.
Es ist doch eine allgegenwärtige Misere, dass das, was als Mensch man empfindet, als Künstler man nicht immer so aussprechen kann, wie man es denn gerne würde. Die zahllosen Gedanken und Ideen stürmen umher wie Schneeflocken im rauen Sturm und Weh‘ dem, der so unnachlässig versucht, sie zu fangen und in seiner Faust einzuschließen, denn der wird sie zu Wasser zerflossen vorfinden, wenn er seine Hand dann öffnet.
Warum nur, warum die Eile? Es kommt der Tag, da der Sturm sich legt und die Flocken zum Boden herabsegeln, und dann landet die ein oder andere sanft auf unseren Schultern, wenn wir nur geduldig genug waren, bis zum Ende des Sturms auszuharren. Und wenn es so weit ist, dann muss man sich vollends den eigenen Eindrücken und Empfindungen hingeben wollen und sein Ohr an das eigne Herz legen. Denn welche Kunst könnte schon authentischer sein als jene, die von den Dingen inspiriert ist, die uns zu dem Menschen machen, der wir sind?
Von all der Musik, die an mein Ohr dringt, klingt das harmonische Melos deiner Stimme am schönsten und reinsten. Von all den Lichtern dieser Welt strahlt das Funkeln deiner Augen am hellsten und hoffnungsvollsten. Von allen Mächten dieses Kosmos ist deine Liebe die stärkste. Denn sie lässt Schneeflocken vom Himmel auf mich herabrieseln.
Lässt mich atmen, lässt mich hoffen, lässt mich denken, lässt mich erschaffen.
© Thomas Eichinger 2021-03-23