Teil 5: Mein inneres Kind fĂĽhlt sich einsam

leise-worte

by leise-worte

Story

Gerade höre ich das Lied “Starke Mädchen” von Sarah Engels immer wieder auf und ab. Es enthält so viel Wahrheit, die auch zu mir und dem kleinen, starken Mädchen passt, das ich einmal war. Das war kein einfacher Weg. Aber das ist dieser Prozess nie, wenn aus starken Mädchen starke Frauen werden.

Immer wieder gehen mir verschiedene Menschen durch den Kopf. Das Mädchen, für das ich heute viel da bin, deren familiären Verhältnisse nicht einfach sind. Die tapfere junge Frau, die aus dem starken Mädchen geworden ist, mit dem ich früher viel Zeit verbracht habe. Sie war noch ein Kind, ich eine junge Erwachsene. Die Gesichter dieser beiden Mädels laufen wie ein Film in meinem Kopf vorbei, während ich das Lied höre. Und das Mädchen, das ich einmal war? Mir scheint, als wäre sie unsichtbar.

Es gelingt mir selbst kaum, das kleine, starke Mädchen, das ich einmal war, wahrzunehmen und gleichzeitig wundere ich mich, warum dieses wunderbare, starke Geschöpf sich heute nach ĂĽber 30 Jahren noch so einsam fĂĽhlt, dass es mich nicht die Verbindung spĂĽren lässt, die ich, die starke Frau, die ich geworden bin, brauche. Allein die Tatsache, dass ich sie mit diesen Worten beschreibe, lässt Angst in mir hochkommen. Es fĂĽhlt sich nicht richtig an, mich selbst als so wertvoll zu beschreiben. Trotzdem weiĂź ich, mit meinem Verstand, dass dieses kleine, starke Mädchen wie jedes andere Kind als völlig unbeschriebenes, weiĂźes Blatt auf dieser Welt geboren wurde – genauso wie jedes andere Kind.

Alle Eltern machen Fehler

Ja, genauso ist es. Ich bin davon überzeugt, dass meine Eltern – wie alle Eltern – die besten Absichten hatten. Dieses weiße, unbeschriebene Blatt mit den kostbarsten Worten und Farben zu füllen.

Ich schreibe diese Zeilen nicht, um Schuldige zu suchen.
Ich weiß, dass auch sie nur Menschen waren. Mit ihrer eigenen Geschichte. Ihren eigenen Prägungen. Ihren eigenen Wunden. Vielleicht ist das Gefühl der Unsichtbarkeit nicht entstanden, weil jemand es wollte. Sondern weil niemand gelernt hatte, es anders zu machen.

Heute geht es nicht darum, zurĂĽckzublicken und anzuklagen.
Es geht darum, nach vorne zu schauen und zu geben, was damals vielleicht niemand geben konnte.

In der Psychotherapie wird das, was mein kleines Mädchen heute braucht, Reparenting genannt.
Für mich bedeutet es: Verantwortung übernehmen – ohne jemanden schuldig zu sprechen.

….wenn aus starken Mädchen starke Frauen werden….

Wenn aus starken Mädchen starke Frauen werden – wer kümmert sich dann um das Mädchen, das dazwischen verloren ging?


© leise-worte 2026-03-02

Genres
Self-help & Life support
Moods
Emotional
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