Trockene Hoffnungen

GoldieCandon

by GoldieCandon

Story

Unsere Augen aufeinander gerichtet. Fokussiert. Es darf kein Detail verpasst werden, denn Details sind Möglichkeiten, Chancen. Unsere Augen verengten sich zu Schlitzen. Etwas Bedrohliches lag in der Luft. War es ein Geruch? Auf jeden Fall Paprika. Der Gewürzstand war gerade in der Nähe. Nein. Da war noch etwas anderes. Etwas was man nur fühlen konnte. Ein Cocktail gemischt mit Liebe und Hass. Bereit zu explodieren. In meinem Herz.

“Ich habe dir noch nie vertraut, Ray”, ihre Stimme brach, doch die Frau dahinter wirkte stark, mächtig. So als würde sie ein Reich zum Schweigen bringen können.

“Niemand vertraut mir. Ich bin verwundert, dass du die Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen hast”, sagte ich herablassend. Ihre Augen, so blau wie alle Meere, schauten noch immer in meine. Gierig. Wonach? Verlorener Liebe? Revange? Ich könnte in ihnen untergehen. Wellen von unendlich schönem … Warte. Das ist ihre Absicht. Jetzt ist keine Zeit in dummen Jugendträumen zu schlummern. Ray, Ray, Ray wach auf! Fall nicht auf diesen miesen Trick rein!

Doch ich war nicht konzentriert. Für einen Moment. Ihre Chance.

Es war nur ein Seitenhieb, schmeckend nach purem Himmel versteckt im höllischen Schmerz. “Das ist nur ein Vorgeschmack, Ray”, meinte sie mit einem bitteren Lächeln im Gesicht.

“Natürlich”, sagte ich mit einem herausfordernden Unterton in meiner Stimme, “Hast du auch noch andere Künste? ”

Mein Herz pochte schwer in meiner Brust, als sie sich mir näherte. Das bläuliche Tuch, dass sie umhüllte flatterte mit dem Wind. War da ein Schimmer von Amüsement in ihrer Erscheinung? Das panische Gefühl entglitt mir langsam.

“Möchtest du noch weitere meiner Talente kennenlernen?”, in ihrer Stimme lag ein Funke Hoffnung. Man könnte es auch Freundlichkeit nennen. Wahrscheinlich war es ihr mysteriöser, auf gewißer Weise süsse Seitenblick mit den pechschwarzen Strähnen im Gesicht, der mein Kopf ausfegte.

“Ich kenn deine Gaben, Lay”, sagte ich in Gedanken zu den frühen Jahren mit ihr. Wir beide haben einen Schleier darüber gelegt. War es Zeit die Erinnerungen wieder zu enthüllen? Waren wir bereit dafür?

“Du kennst noch längst nicht alle”, meinte sie. Mittlerweile war sie mir so nahe, dass ich ihren Duft von Orange einatmen konnte. Er hatte sich nicht geändert. Nach all diesen Jahren. Er brachte mich noch immer zum Träumen.

Dieses Mal waren unsere Augen wirklich aufeinander. Tief. Wir musterten uns. In Frieden.

Auf einmal packte sie mein Arm und drehte ihn so weit es ging. Ein stechender Schmerz durchzuckte mich. Sie war zu schnell. Ich war reaktionsunfähig.

“Noch längst nicht alle”, sagte sie kopfschüttelnd. In ihren Augen blitzte pure Faszination hervor, bevor sie sich umdrehte und davonstapfte. Mein Gesicht war schmerzverzehrt. Verdammte Göre.

“Wem ist hier jetzt nicht zu vertrauen?”, rief ich ihr nach. Langsam drehte sie sich wieder um. Diese Kreatur war mir fremd. Sie erwiderte nichts, schritt einfach nur aus meinem Blickfeld. Stumm.

© GoldieCandon 2021-04-13

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