Under the El

by Axel Weber

“Bourbon. No water. No rocks.“

George steht alleine an der Bar im Loop District und hÀlt drei Finger hoch.

Der Barkeep im weißen Livree hinter der dunklen Eichenbar nickt und wartet auf zwei weitere GĂ€ste die nicht kommen.

“Kommt.“

Draußen knĂŒppelt die Hitze die Stadt wie einen Einbrecher. Die Wabash Avenue droht zu Kaugummi zu werden. Die Bar ist wie ein KĂŒhlschrank, kĂŒhl und dunkel. Drei dunkelbraune GlĂ€ser stehen vor George und warten auf ihn.

Der Barkeep lĂ€chelt George an. George lĂ€chelt zurĂŒck.

George leert die drei GlĂ€ser und stellt sie auf die Bar zurĂŒck.

Er zahlt und macht sich vom Hocker.

Das Gleiche passiert an den folgenden Tagen. Immer mittags, 13 Uhr.

Am Tag darauf stellt der Barkeep die drei GlĂ€ser Alkohol vor George auf die Bar und wirft sein weißes Handtuch ĂŒber die Schulter. Er krempelt die Ärmel seines Hemdes hoch und stĂŒtzt seine Arme auf die Bar.

“You are quite a character. Wie die meisten hier. Aber keiner bestellt drei gleiche Drinks in drei GlĂ€sern. Gleichzeitig.”

George schaut ihn an.

“Nicht dass es schlecht fĂŒr mein GeschĂ€ft ist.“

George trinkt das erste Glas leer. Er leckt sich die Lippen.

Dann:

“Ich treffe mich mit meinen beiden BrĂŒdern auf einen Drink. Alex ist in Detroit, Darren in Memphis. Wir gehen gleichzeitig in eine Bar und bestellen drei Drinks und jeder trinkt fĂŒr den anderen eine Runde.“

“Deine BrĂŒder hĂ€tte ich auch gern,” sagt der Barkeep. Er poliert die OberflĂ€che der Bar mit seinem weißen Tuch. Die Jukebox spielt “Heatwave”.

George zahlt und verlĂ€sst die Bar. Als er die TĂŒr aufmacht, fĂ€llt ein Keil heißen Sonnenscheins in die Bar durch die Wolkenkratzer im Loop. Der Sommer hat die Stadt fest im Griff und brĂŒtet den Beton der Stadt wie eine Henne ihre Eier. Nur die Dunkelheit der Bar schafft AbkĂŒhlung. An so einem Tag kommt George wie immer in die Bar und setzt sich auf seinen Hocker.

“What’s up George,“ sagt der Barkeep und stellt drei kleine GlĂ€ser auf die Theke. Er hat die dunkle Flasche in der Hand und ist bereit zum Einschenken.

George winkt ab.

“Nur zwei.“

Das Gesicht des Barkeeps ist ein Fragezeichen.

“Was ist passiert?“

Er befĂŒrchtet das Schlimmste.

George schaut ihm in die Augen.

“Was?“

“Warum nur zwei? Ist einer Deiner BrĂŒder 
 was ist passiert?“

George nimmt den ersten Drink zu sich, leert das Glas und stellt es auf die Bar und nimmt das zweite Glas in die Hand und trinkt auch dieses aus.

Draußen rattert die Hochbahn ĂŒber den Straßen der Stadt.

“Mit meinen BrĂŒdern ist alles in Ordnung. Aber ich habe das Trinken aufgehört.“

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