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Luft nach oben

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Luft nach oben | story.one

Kapitel 3

An diesem Abend blieb Ina noch lange wach und dachte über ihre Situation nach. Dabei genehmigte sie sich ein Glas Rosewein. Bei einem Glas blieb es nicht. Als sie in den frühen Morgenstunden endlich ins Bett fiel, hatte sie beinahe zwei Flaschen ihres Lieblings Rosewein getrunken. Der Schädel am nächsten Morgen sorgte dafür, dass Ina sich erst einmal zwei Kopfschmerztabletten einwerfen musste. „Ach Mist“, sagte sie zu sich selbst, „Ich habe mal wieder zu viel getrunken“. Ina trank gerne. Ob es sich als ein Problem erwies, dessen war sie sich noch nicht so ganz sicher. Nachdem sie zweieinhalb Probesitzungen bei einem Therapeuten verbracht hatte und das Thema Alkohol aufgekommen war, gab Ina Details über ihr Trinkverhalten bekannt, welches den Therapeuten dazu veranlasste, dass eine weitere Zusammenarbeit unter diesen Umständen keinen Sinn ergeben würde. Er gab ihr den Rat bei einer Suchtberatung vorstellig zu werden. Der Gedanke daran lag ihr zu fern und überhaupt fing sie doch gerade an sich bei dem Therapeuten wohlzufühlen. Mit einer Tasse Kaffee verzog sie sich zurück ins Bett. Mit dabei ihr Kater Tinnitus. Dieser merkte gleich, dass es seinem Frauchen nicht so gut ging und gewährte ihr besonders viele Schmuseeinheiten. Normalerweise war er damit eher zurückhaltend. Ina kuschelte sich also an Tinnitus und ließ ihre Gedanken schweifen. Sie dachte über ihr Leben nach. Das war schon lange überfällig. Sie lebte ein Leben, welches sie so überhaupt nicht führen wollte und so überlegte sie, wann sie eigentlich wirklich etwas tat, dass sie wirklich tun wollte und nicht weil es irgendwie erwartet wurde. Dieses unpersönliche Dasein war nicht länger ertragbar. Es folgte einfach einem Gleis, indessen Zug sie gar nicht einsteigen wollte. Und dann plötzlich bemerkte sie, wie lange sie schon in diesem Zug saß. Diesem Dasein wollte sie nun endlich entfliehen, um endlich ihr wahres Selbst kennenzulernen. Sie wusste, dass es dafür nötig war sich ihren tiefsten Ängsten und ihrem Inneren zu stellen. Und dazu benötigte sie Hilfe.

© Lucy_Jordan2 2021-05-04

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