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#frauenpower#überwindung#neueherausforderung

1. Erfolg | Reich

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1. Erfolg | Reich | story.one

Glas bis zum Boden, Blick über Wien – wahlweise auf Stephansdom oder Kahlenberg. Heiß rauscht mir das Blut durch die Schläfen, gleich geht es los. Agil haben wir monatelang auf heute hingearbeitet. Outside of the Box. Kreativ. Unkonventionell. So wollten das die Kunden. Und als Outcome ein bahnbrechendes Geschäftsmodell von und für morgen.

Die Türen zum Besprechungsraum „Großglockner“ öffnen sich und herein schreitet die Führungsebene: Eingekleidet in Slim-Fit, energischer Schritt, weiße oder wenige Haare, Tablet in der Hand und polternder Smalltalk auf den Lippen. Keiner unter 50, keiner weiblich. Alle sich ihrer Stellung bewusst. Alle freundlich.

„Ja Grüssi, wie ich sehe haben Sie sich schon eingerichtet?“, sagt der Vorstandsvorsitzende Huber mit Blick auf die ausgeteilten Unterlagen. „Grüß Gott! Ja – vielen Dank, wir haben bereits alles vorbereitet.“

Coronabedingte Fist-Bumps werden ausgetauscht, alle nehmen Platz. Die Dame vom Empfang schaut durch die Tür und erkundigt sich nach Kaffee-Wünschen, 4 Espressi werden bestellt. „Na dann wollen wir keine Zeit verlieren. Bitteschön!“ Die Herren lehnen sich zurück, kippen Zucker in die winzigen Tassen, atmen hörbar aus.

Mein Projektleiter startet mit der Einführung, holt kurz aus – was bisher geschah – und übergibt dann an mich: „Die zentralen Ergebnisse wird Ihnen nun meine Kollegin vorstellen“.

Ich schaue geradeaus zum Stephansdom. 136 Meter hat der Südturm. Oder? Adrenalin durchflutet mich, vom Haaransatz bis in die Zehenspitzen, wie eine Lawine. Fühlt sich an, als könnte gleich etwas Körperliches passieren, etwas tatsächlich Gefährliches. Als wäre Lawinenwarnstufe fünf und wir alle ungesichert im Gelände.

Aber: Kein Schnee weit und breit.

Ich stehe auf und lege los. Die ersten Worte kratzen im Hals, doch dann vertiefe ich mich in meine Arbeit der letzten Monate und skizziere unsere Idee. Ich erkläre ihre Potenziale, umreiße ihre Außergewöhnlichkeit und stütze am Ende alles auf Zahlen. Dabei achte ich laufend darauf, wie sich die Mundwinkel im Raum neigen, zähle die Blicke auf Smartphone-Oberflächen und messe die Faltentiefen auf den Stirnen.

Später trete ich aus dem gläsernen Gebäude, Abendsonne scheint mir ins Gesicht. Aus Adrenalin ist Dopamin geworden, durchflutet mich ohne Lawinen-Assoziation. „Das war gut!“, denke ich mir – monatelange Arbeit, zufriedene Kunden.

Nur meine Finger zittern, meine Hände versuchen nach etwas zu greifen, hätten gerne etwas Haptisches als Ergebnis für all die Spannung, all die Nächte und den Hirnschmalz. Doch sie bleiben leer.

Der Trost: Morgen geht es wirklich los!

© Alina Lindermuth 2021-08-04

mutmacherselbstverwirklichung

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