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#verrückt#sport#bergwelten

Verrückte Ideen sind durchaus lebenswert

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Verrückte Ideen sind durchaus lebenswert | story.one

"Bist du verrückt?", entgegnet mir mein Mann und starrt mich ungläubig an. Ermuntert durch seine ungeteilte Aufmerksamkeit fahre ich mit meinen Überlegungen fort: "Wir brauchen 30 min mit dem Auto, Gehzeit ist 2.5 Stunden, aber wenn man es sportlich angeht, dann sollte das in 1.5 h zu schaffen sein. Etwas Puffer schadet auch nicht, wäre ja schade, wenn wir dann doch länger brauchen. Die Sonne geht übrigens um 6:25 Uhr auf". "Nie im Leben, das kannst du vergessen", kommt wie aus der Pistole geschossen und seine Augen durchdringen meine auf der Suche nach einem schelmischen Funkeln, das verraten könnte, es handle sich nur um einen Scherz. "Wir müßten dann so gegen 4 Uhr Früh aufbrechen", ergänze ich in dem Wissen, daß dies eine fast unmögliche Zumutung für Siggi darstellt, dem der Morgenschlaf genauso heilig ist wie sein gemütlicher Morgenkaffee und seine Morgenzeitung. Aber ich kann meine Emotionen nicht mehr zügeln, sie tanzen wie wild im Kopf und schlagen Purzelbäume bei der Vorstellung einmal am Berggipfel den Sonnenaufgang zu erleben und welcher Berg würde sich da besser eignen, als der nahe Freiberg, der sich durch eine tolle Rundumsicht auszeichnet.

"Am Mittwoch ist mein letzter Urlaubstag und das Wetter wäre einfach perfekt!". "Du mit deinen verrückten Ideen".

Die Kinder überraschen mich am nächsten Tag mit der Frage "Du gehst morgen mit dem Papa auf den Berg?"

"Ach, hat er sich anstecken lassen von meinen Spinnereien, wie schön, dann dürft ihr das Frühstück richten, wir sind spätestens um 9 Uhr zurück."

An besagtem Tag sitzen wir um 4 Uhr im Auto. Unser Hund, zwar die frühen Morgenspaziergänge gewohnt, läßt sich nur ungern aus dem Schlaf reißen und folgt uns widerwillig. Wir gähnen uns im Minutentakt an, passieren die noch verschlafenen Häuser und lassen diese unendliche Stille auf uns wirken. Beim Aussteigen aus dem Auto blicke ich in den Himmel und bin sprachlos. "Wow, wie unbeschreiblich schön!" Abseits jeder Lichtverschmutzung funkeln uns Milliarden Sterne am tiefschwarzen, sternenklaren Himmel entgegen. Das zarte Sternenband der Milchstraße ist klar ersichtlich und auch der Orion zeigt sich schon dicht über dem Horizont - der Herbst läßt grüßen.

Wir marschieren los, eingehüllt in den Schein unserer Lampen, behütet von den funkelnden Sternen. Die Gähnabstände werden immer größer und die Sterne am Himmel mit zunehmender Helligkeit weniger. Nur der Orion steht noch im Südosten und hält dem ersten Morgenrot stand. Vor uns breiten sich die in orangerotes Licht getauchten Karawanken aus und hinter uns liegt das Drautal und Klagenfurter Becken im herbstlichen Morgennebel. Welch unbeschreiblicher Anblick! Wenige Minuten später blinzelt die Sonne hervor und wärmt uns mit den ersten zarten Strahlen. Glück durchströmt unsere Herzen. Wie megageil ist das denn!

"Bereust du es?" frage ich Siggi. "Ich mache das nur dir zu Liebe", aber tief im Herzen spüre ich, daß auch ihn die Schönheit des Augenblicks berührt hat...

© Andrea Tanner 2019-09-05

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