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#krankheit#kloster#kreuz

Das Kreuz 2

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Das Kreuz 2 | story.one

Ohne zu wissen, wohin eigentlich, flog ich mit meinem Rappen quer über Felder, bis ich schließlich erschöpft vom Sattel fiel. Ich hatte keine Ahnung, was es war, auf dem ich landete, doch es fühlte sich weich an und mir war es, als ob es mich forttragen würde. Vermutlich war es das Gift der Rose, das seine Wirkung zu zeigen begann, nicht im Traum hätte ich gedacht, dass es solche Kräfte in sich barg. Verschwommen sah ich wieder den Mönch aus der Kapelle vor mir, strahlend in einem Licht wie man es sich von Engeln erzählte. Keines Blickes würdigte er mir, verschwand hinaus in die Dunkelheit und aus welchen Gründen auch immer wollte ich ihm folgen. Es sehnte mich nach ihm, einzig dem Gift gab ich die Schuld dafür. Weshalb sonst sollte gerade ein Mönch meine Aufmerksamkeit für sich gewinnen?

Rosenduft weckte mich am nächsten Tag aus meinem Schlaf, jemand tupfte meine Stirn mit einem feuchten Tuch ab. Es war ein Mönch, seiner Kleidung nach zu urteilen ein Mitbruder des sonderbaren Gottesmannes aus der Kapelle. In sein Kloster hatte er mich gebracht – etwas Schlimmeres hätte mir nicht mehr passieren können. Nichts wie weg von dort wollte ich, doch ich war zu schwach, um mich überhaupt erst aufzurichten. Hohes Fieber hatte mich befallen, übel wurde mir, als ich das Kreuz, das ich gestohlen hatte, auf der Wand vor mir hängen sah. Der Mönch hatte es offensichtlich entdeckt und wollte mir auf diese Weise wohl eine Lektion erteilen.

Die Rose in meiner Hand stand in einer Vase neben mir auf dem Nachtkästchen. Hätte ich nicht die Wunden ihrer Dornen gehabt, hätte ich ihre Verwandlung für eine Illusion gehalten. Was sich auch immer in der Kapelle zugetragen hatte, mich ließ das Gefühl nicht los, dass der sonderbare Mönch irgendetwas damit zu tun hatte.

Bruder Ägidius, der Mönch, der sich meiner angenommen hatte, gab mir eine Suppe zu essen, unter Schmerzen schluckte ich sie. Ich solle weiterschlafen, damit ich bald wieder bei Kräften war, trug er mir auf, als ich fertig war, und ließ mich allein. Ich betrachtete das Kreuz vor mir, musste es wiederhaben. Den Schatz, den es angeblich beinhaltete, wollte ich für mich, ehe andere Diebe ihn für sich eroberten. Aber wie sollte ich mit diesem das Weite suchen, wenn ich es noch nicht einmal mehr schaffte, mich aufzusetzen?

© Anita Zöhrer 2021-06-11

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