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#trauer#hektik#streiten

Naturreis- Teil I

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Naturreis- Teil I | story.one

„Soll ich eine oder beide Zucchinis schneiden?“ „Mach sie doch beide!“ pfeifend zerdrückte mein Vater das im heißen Öl liegende Hackfleisch. Es war sein freier Tag und liebte es, diesen mit gemütlichem Kochen zu begehen. Das Fleisch zischte. Ich schnitt das längliche Gemüse in zwei Millimeter breite Scheiben und versuchte das Ganze so geräusch- und umstandslos wie nur irgendwie möglich abzuwickeln. Dabei rutschte ich mit dem Messer ab. Dank des zischenden Fleisches war das Abrutschgeräusch nicht zu hören gewesen. Dennoch- mein Vater hatte es aus dem Augenwinkel gesehen.

„Du musst dich doch nicht so beeilen!“ Die Aufmerksamkeit meines Vaters war durch die meine schnelle Vertuschungsbewegung auf meine Tätigkeit gelenkt worden.

„Ich bemüh' mich.“ Meine Antwort musste ich schon schreien. Die Kochgeräusche begannen alles in normaler Lautstärke Gesprochene zu verschlucken. Außerdem machte sich Dampf in der Küche breit. Die Hände voller Zucchinischeiben machte ich mich vor dem Herd schlank. Umständlich versuchte ich die Pfanne neben derjenigen, an der mein Vater akribisch zu Gange war, mit den Scheiben zu füllen.

Ein Seufzer füllte den ohne hin schon von Dampf beengten Raum.

Ich verkniff mir die Frage, was denn das Problem sei und stellte mich neben meinen Vater, um mich um das laute Gemüse zu kümmern. Das Zischen der bratenden Speisen machten eine Unterhaltung sowieso undurchführbar. Eine friedliche Koexistenz nebeneinander vor dem Herd schien allerdings im Bereich des Möglichen.

Ich schaute aus dem Fenster. „Mir gefällt das Wetter. Die Sonne scheint endlich mal wieder!“ „Wie bitte?“ „So schönes Wetter heute!“, brüllte ich gegen den Lärm an.

„Da kommt aber heute noch etwas …“ Mein Vater schien weniger optimistisch als ich, als er sich ebenfalls von seiner Pfanne abwendete und zum Fenster hinausschaute. Die dunklen Wolken im Westen hätten mir auch auffallen können. Ich griff über seine Pfanne hinweg, um mir das Salz zum Würzen zu ergattern. Dabei stieß ich mit meinem sich wieder auf das Wesentliche besinnenden Vater zusammen.

Ein Seufzer durchdrang den Geräuschpegel.

Mein Vater schlängelte sich an mir vorbei, um Gemüsefond anzurühren, womit der die Lautstärke im Raum bändigen sollte.

„Ziscccchhhh“ und ein lauter Ausatmer.

Jetzt, da man sich wieder in normaler Tonlage unterhalten konnte, sagte er: „Wir machen Reis dazu, passt das?“ „Klar!“ „Gut.“ In einem dritten Topf auf dem Herd sollte der Reis zubereitet werden, kritisch betrachtete ich die Situation. Es würde sehr eng werden.

„Isst meine Schwester auch etwas davon?“ Meine 10-jährige Schwester war kein heikler Mensch, aber Reis, vor allem Vollkornreis mochte sie einfach nicht, egal, was man auch probierte. Etwas gereizt antwortete mein Vater: „Mach nicht so ein Thema daraus. Sie ist alt genug zu essen, was es gibt!" Im selben Moment ging die Küchentür auf:

© Anna-Lena Frosch 2021-06-10

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