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#kindermund#tĂŒreöffnen

The kis im mess

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The kis im mess | story.one

Ding! Dong! Die ganze Familie war vorm Laptop - jedes Familienmitglied in seinem Zimmer und ich war im oberen Stock beschĂ€ftigt.Niemand war gewillt , die Zoom-Sitzung zu verlassen, um die TĂŒr zu öffnen. Corona nervte, die Zoom-Sitzungen waren anstrengend, weil die Verbindung oft schlecht war, das “ zuviel zuhause sein” war eine Herausforderung und jetzt noch dieses Gebimmel an der TĂŒr!!Vermutlich waren es wieder die Nachbarskinder, die ihren Spaß dran hatten, zu lĂ€uten , um ein bisschen small talk mit mir zu machen. Ich freute mich oft ĂŒber die Abwechslung und den Austausch mit den Kleinen aus der Siedlung.Aber heute war es anders. Niemand von uns hatte Zeit. Alle waren da, aber keiner öffnete.Ding! Dong!Ich wrang gerade den Putzfetzen aus und schrubbte dann emsig den Boden und hoffte, dass das Klingeln bald verstummen wĂŒrde.Sie waren ja sĂŒĂŸ, die Nachbarskinder, aber heute passte es nicht. Ich hatte so viel vor, so viel geplant:Das Bad musste gereinigt, der Kleiderkasten ausgemistet und die Post und damit verbundene Rechnungen endlich mal durchgeschaut werden. Nein, heute war keine Zeit fĂŒr einen Plausch an der TĂŒr. Heute gab es keine Deutschkonversation, so sehr ich mich sonst ĂŒber Begegnungen auf Abstand an der HaustĂŒr in dieser anstrengenden Coronazeit im Jahr 2020 freute.Ding Dong! Ding Dong!!Da war aber ein sehr beharrliches Wesen an der TĂŒr. Ich zögerte. Vielleicht war es doch wer anderer , der lĂ€utete? Vielleicht war es ein Nachbar in Not oder die Nachbarin mit der Zeitung und einer wichtigen Info? Ich seufzte auf, schaute kurz in den Spiegel, um mir die Haare zu richten, trocknete mir die HĂ€nde und ging ins Schlafzimmer, von wo ich am besten zur HaustĂŒr blicken konnte.Es war schon dunkel und es dauerte eine Weile, bis ich das kleine NachbarsmĂ€dchen erkennen konnte. Sie hatte x-mal in der Dunkelheit geklingelt. Die ErstklĂ€sslerin war so beharrlich am LĂ€uten gewesen! Erwartungsvoll hob sie den Kopf und richtet ihre Augen hinauf zu mir.“Wo brennts”, meinte ich nett, aber auch ein wenig genervt. “Ich -Dir- etwas - geschenken!" " In Postkasten!"“Was?”, meinte ich, “ich habe Dich nicht so gut verstanden? ”Nun wurde das kleine MĂ€dchen deutlicher und sprach lauter Wort fĂŒr Wort: “Ich-! Dir-! schenken" und deutete auf den Postkasten.Und dann meinte sie: “Deine Ohren brauchen Brille” und lief schnell nach Hause. Als ich nach der Putzaktion im Bad runter in die KĂŒche kam, fiel mir wieder die Nachricht des MĂ€dchens ein, dass im Postkasten ein Geschenk liege.Ich öffnete den Briefkasten und fand eine rote wunderschöne selbstgemalte Weihnachts-Karte und draufstand mit großen Blockbuchstaben : “Mesi kismes”.Mesi kismes? Ich stutzte verstĂ€ndnislos.“ Me-si kis-mes ” las ich laut und plötzlich durchfuhr mich eine Freude - ich verstand! Die ersten englischen Vokabel meiner kleinen Freundin werden mir immer TrĂ€nen der RĂŒhrung in die Augen treiben. Sie wollte mich beschenken, und ich wollte nicht öffnen. Mesi kismes liebe A.!

© Anne_Ladgam 2021-12-10

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