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#trennungsschmerz#beziehungsprobleme#herzschmerz

PS: Ich verlasse dich

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PS: Ich verlasse dich | story.one

Es ist dieser eine letzte Augenblick, der alles verändert. In diesem Moment steckt so viel Kraft, welche nicht nur erstrahlt, wie ein lauwarmer Sonnenaufgang, sondern auch wütet, wie ein Schneegestöber an einem späten Sonntagnachmittag.

Es ist, als würde man sterben. Zumindest glaubt man das, weil man zuvor noch nie gestorben ist und vielleicht ist es nur ein geheimer und unausgesprochener Wunsch, damit dieser Moment für immer vergessen ist.Allein dieses letzte Zwinkern kann ein Gefühl von Zuhause auslösen. Da blickt man tief in die Augen, wenn man es denn schafft, und sieht sich selbst. Die gemeinsame Zeit fliegt noch einmal, aber sicherlich nicht das letzte Mal, an einem vorbei. Das stetig genutzte Parfum in der Nase, die zarte Haut auf den Lippen, das erste Mal gemeinsam Lachen und Weinen. Wie war das nochmal? In Gedanken werden die Erinnerungen sortiert und stets versucht, nicht zu wehmütig zu werden. Nicht diese Erinnerungen werden sterben, sondern das ‘Wir’, das ‘Gemeinsam’, alle, was in Verbindung stand.

Man spürt, wenn es soweit kommt. Mit schlotternden Knien steht man vor der Wohnungstür und fragt sich, mache ich das wirklich? Doch es bringt nichts, klingeln oder mit dem Schlüssel aufschließen. Auf jeden Fall eintreten und keinen Willkommenskuss geben. Spätestens dann, wenn man zusammen einen Platz inmitten von vier Wänden gefunden hat, wissen alle sich im Raum befindenden Menschen bescheid. Es wird Schluss gemacht, die Beziehung beendet, alles hingeschmissen und das Herz herausgerissen. Anschließend wird sich selbst zugeflüstert, warum hat man so viel Kraft verschwendet? Aber dieser Zeit werden auch morgendliche Strahlen gesendet. Vielleicht war man jung und ist zusammen alt geworden, schaut sich in die Augen, als wäre man noch einmal 16 Jahre alt, man denkt zurück an das Kribbeln beim ersten Mal Händchen halten, das Eltern Kennenlernen, den ersten Geburtstag im Jahr zusammenfeiern. Es gibt ein wohliges Gefühl, wenn die Gedanken an kleine Routinen zum Schwelgen in der Vergangenheit einladen. Die Blume aus Schokoladenpapier auf dem Schreibtisch, bevor man das Bett verließ, eine Postkarte im Briefkasten, obwohl man nur eine Woche weg war. Die Art und Weise wie durch die Haare gestreichelt wurde. Das sonntägliche Lasagnemahl. Der Dauerhit für traurige Tage: eine Kinderserie mit süßen Tierchen.Und dann soll alles plötzlich vorbei sein?Dieser letzte Augenblick, irgendjemand weint erst laut, dann sehr leise. Irgendjemand scheint so kalt wie Stein und gleichzeitig entsteht die Wirkung einer unüblichen Provokation. Doch am Ende wird es keinen Gewinner geben, denn irgendjemand leidet immer. Bei einem Auseinandergehen, in diesem Sinne, mit so viel innerer Durchschaubarkeit, kann mit nichts verglichen werden und schließt den Wettkampf schlichtweg aus.

Doch vielleicht geht es auch weniger pathetisch, mit einer SMS zum Montagmorgen, bevor man den ersten Kaffee hatte:“PS: Ich verlasse dich.”

© AnnePollenleben 2021-06-10

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