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#sommer#gastronomie

2019-Der letzte Sommer

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2019-Der letzte Sommer | story.one

Nachdem wir unsere einjährige Auszeit beendet hatten, eröffneten wir das Lokal 2017 nochmals. Nun aber verwöhnten wir unsere Gäste mit vegan/vegetarischen Gerichten. Viele unserer Stammgäste gaben sich dem Experiment hin und waren äußerst positiv überrascht, welche kulinarischen Möglichkeiten abseits von der Verwendung von tierischen Lebensmitteln existierten. Es sprach sich sehr schnell herum und so kamen auch viele neue wunderbare Menschen hinzu. Es war keine Seltenheit, dass ganze Familien eine Reise von über 200 Kilometern auf sich nahmen, um den ganzen Tag bei uns zu schlemmen. Da war er wieder, der Ruf des Erfolges und der Anerkennung. Wir spürten beide einen sich öffnenden Sog, welcher sich jedoch wie eine verschlingende Gefahr anfühlte. Schnell schüttelten wir jegliche Gedanken dieser Art ab. Wir umsorgen gerne Menschen und wir erfreuen uns sehr daran, wenn wir unvergessliche Momente des Genusses und der Freude, in Menschen hervorbringen dürfen. Es war der finanzielle Austausch, der uns keine Freude mehr bereitete. Der Pachtvertrag des Lokals würde in zwei Jahren auslaufen und wir waren uns einig, dass es an der Zeit war, dann der Gastronomie den Rücken zuzukehren. Außerdem war Anita mit unseren Zwillingen schwanger und wie die Meisten wissen werden, ist die Gastronomie nicht unbedingt die familienfreundlichste Art, sein Geld zu verdienen. Es war der ideale Zeitpunkt für einen Wandel, etwas Neues und Verrücktes, ein neues Abenteuer.

Behutsam bereiteten wir unsere treuesten Gäste auf unseren Abschied vor. Es flossen viele Tränen, wir bekamen Dankeskarten und wurden mit Abschiedsgeschenken überhäuft. Viele konnten es nicht glauben, dass jetzt wirklich, das Ende gekommen sei. Der letzte Tag in diesem Lebensabschnitt rückte immer näher und die Freude wuchs mit jedem Abend, wenn wir die Pforten schlossen. Wir veranstalteten einen großen Flohmarkt, welcher sich über mehrere Tage erstreckte. Im Laufe der Jahre hatte sich einiges angesammelt und wir wollten unseren Besitz auf den Inhalt der Größe eines Wohnmobils reduzieren. Der Andrang war enorm! Viele wollten einfach nur ein Andenken an uns in ihrem Wohnzimmer oder Küche haben. Einige Neugierige stöberten durch die liebevoll hergerichteten Tischreihen und fanden hie und da ein paar Schätze, welche sie für einen eventuell notwendigen Besitz erachteten. Wie im Zeitraffer sah ich, wie sich all die Dinge, denen Erinnerungen an Erfolg, Freude, Blut und Kummer anhafteten, sich in Luft auflösten. All die Emotionen, welche jede Lebensphase nun mal mit sich bringen kann. Mit jedem verschwindenden Ding löste sich ein Glied der Kette der Gefangenschaft und die Luft füllte sich mit dem Duft der Freiheit. Es war geschafft! Die Tür zu diesem Lebensabschnitt war geschlossen! Nun haben wir den November 2020, die Gastronomie leidet in unvorstellbaren Ausmaß und uns erfüllt es mit großer Dankbarkeit, rechtzeitig eine neue Richtung eingeschlagen zu haben

© Attila Moser 2020-11-21

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