skip to main content

#lebensfreude#engel#reisenmitkindern

Don't worry, be happy!

  • 253
Don't worry, be happy! | story.one

Auf dem Weg zurück nach Österreich fuhren wir durch die kleinen Städtchen Albaniens. Kurz nach Gjirokastra näherten wir uns einer Baustelle.

„Da ist irgendetwas auf der Straße!“, sagte meine Frau.

War es ein Hund, der in Panik auf der Kreuzung hin und her sprang?

„Das ist ein Mensch!“, rief meine Frau mit schockierter Stimme. Ich schaute zu ihr rüber und sah den Schrecken in ihr Antlitz fahren. Dicke Tränen kullerten über ihr Gesicht, ich legte meine Hand auf ihr Knie und streichelte sie.

Es war ein Mann ohne Beine, der auf seinen Händen zu jedem Auto hüpfte, das er erreichen konnte. Hin und her, vor und zurück. Er war nicht zu übersehen, dennoch fuhren die Fahrzeuge an ihm vorüber. Die Straße war mit einer dicken Schicht aus Baustellendreck überzogen. Er drehte Pirouetten, wirbelte den Staub auf, winkte den Fahrzeugen zu und bewegte sich, wie als wenn Tanzen seine größte Leidenschaft wäre. Eine grandiose Darbietung, die Präsentation eines Geschöpfes, dass gar nicht zu wissen schien, dass es keine Beine hat. An der Kreuzung angekommen, eilte er bereits zu uns herüber. Eine alte zerfetzte Militärjacke, die unter seinem Rumpf herumgeschlagen war. Alte Hausschuhe waren über seine Hände gestülpt. Er sprach sehr schnell und nicht gut verständlich, doch das lag daran, dass seine Zähne in alle mögliche Richtungen aus seinem Mund wucherten. Ich war von seiner Ausstrahlung überwältigt. Es war, als würde sein leuchtendes Wesen unser gesamtes Wohnmobil einnehmen. So viel Lebensfreude hätte ich niemals erwartet, obwohl er sie bereits bei seinem Tanz über die Kreuzung zur Schau stellte. Ich sah aus unserem Wohnmobil auf ihn herab und sah einen glücklichen Menschen. Er strahlte von innen heraus. Ich wurde immer kleiner und dachte so über die alltäglichen Dinge nach, von welchen wir unsere Laune trüben lassen. Wir berieten kurz und wollten ihm natürlich etwas geben. Doch wir hatten kein Bargeld dabei und mit Karte zahlen ging wohl nicht. Hinter uns begannen die Fahrzeuge zu hupen, wir mussten fahren. Ich machte ihm verständlich, dass wir nochmal wieder kommen werden. Bei der nächsten Möglichkeit kehrten wir um. Unser Sohn sammelte in jedem Land, das wir durchquerten die Geldscheine der einheimischen Währung. So auch hier in Albanien. Er war sofort bereit diese herzugeben. Als wir zurückkamen, hielten wir auf einem Parkplatz neben der Kreuzung und er hüpfte sofort zu uns herüber. Neben uns standen noch einige Polizisten und Soldaten, die aufmerksam die Szene beobachteten. Wir gaben ihm das Geld und boten ihm noch ein Longboard an, doch davor hatte er zu viel Respekt, wegen der Kontrolle der Geschwindigkeit. Er jubelte, tänzelte rüber zu den Soldaten und zeigte ihnen das Geld. Alle blickten zu uns rüber und nickten uns freundlich zu. Ich fühlte mich nicht großartig! Er hatte mehr für mich getan, als ich für ihn. Ein Engel ohne Beine, der zu mir rief: “Hey, es ist alles nicht so schlimm, wie es manchmal aussieht oder sich anfühlt! Lächle!"

© Attila Moser 2020-12-03

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.