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Reise in den Lockdown

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Reise in den Lockdown | story.one

Im Februar reisten wir in Ungarn ab. Das große Ziel hieß Griechenland, das wir nicht mehr erreichen sollten. Einige Wochen zuvor hörten wir von dem Ausbruch eines Virus in Wuhan und dass die Menschen zu Hunderten auf den Straßen umfallen würden. Zu dieser Zeit war diese große bevorstehende Welle, die über uns alle in Europa hereinbrechen würde, noch ganz weit entfernt. Niemand hätte auch nur ahnen können, dass wenige Wochen später ganz Europa in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt werden würde. Wir packten unser Wohnmobil, dessen Name „Turbo“ ist, obwohl er sich nicht so verhält aber dafür äußerst zuverlässig ist und reisten nach zwei Monaten Aufenthalt, in Ungarn ab. Wir hörten auf eine innere Stimme, welche uns sagte, dass es jetzt an der Zeit wäre abzureisen. Ich fuhr direkt durch bis Split, eine wunderschöne geschichtsträchtige Stadt an der Adriaküste Kroatiens und überraschte meine Liebsten am Morgen, mit einem Blick auf das Meer. Hier verweilten wir zwei Tage, besichtigten den Diokletianpalast und fuhren dann weiter gen Süden. Über Makarska und Dubrovnik, durch Bosnien und Montenegro bis nach Albanien. Am 4. März zur Mittagszeit erreichten wir die Grenze und wurden von einer ganzen Schar von Ärzten und Reportern empfangen. Richtig in Szene gesetzt, maßen sie unsere Temperatur und übergaben uns ein Merkblatt mit den in Albanien geltenden Coronaregeln. In der Nähe der Hauptstadt Tirana verbrachten wir einige Tage auf einem Campingplatz, wo wir wunderbare neue Freunde kennenlernten. Über Durrës mit seinen goldenen Stränden und durch die noch schneebedeckten Ceraunian Mountains fuhren wir weiter. Unser erstes großes Zwischenziel lag direkt vor uns, in einer kleinen Bucht, umgeben von Bergen. Saranda! Eine echte Perle im Süden Albaniens gelegen, am ionischen Meer gegenüber der griechischen Insel Korfu. Strände, wie man sie nur in der Karibik erwarten würde und 300 Sonnentage im Jahr. Kurz nachdem wir Tirana verlassen hatten, wurde die ganze Hauptstadt vom Militär abgeriegelt. Derartige Maßnahmen wären bis zum heutigen Tag bei uns undenkbar gewesen. Zwei albanische Italienrückkehrer wurden positiv getestet und somit reagierte der Präsident unverzüglich. Ursprünglich wollten wir für 3 Wochen in Saranda bleiben, doch daraus wurden dann 3 Monate. Es war eine gute Entscheidung, denn Saranda blieb bis zu unserer Abreise im Mai, frei von Infektionsfällen. Wir erlebten den ersten Lockdown, in einem Land fern unserer Heimat. Für uns war es ein richtiges Geschenk, den wir hatten während der ganzen Zeit direkten Zugang zu einem Privatstrand und wurden von den Einheimischen herzlichst aufgenommen. Es war trotz der Ausgangsbeschränkungen eine schöne Zeit und es war so wunderbar anzusehen, wie sich die Menschen mit dieser Situation arrangierten, die Ruhe und vor allem ihre Freundlichkeit bewahrten.

© Attila Moser 2020-11-26

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