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#freiheit#sucht#alkohol

Alkohol statt Botox

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Alkohol statt Botox | story.one

Mir wird nachgesagt, dass ich wesentlich jĂŒnger aussehe, als ich bin. Wenn wieder mal jemand zu mir sagt: "Ich muss schon sagen, liebe Frau W. das Alter sieht man Ihnen aber nicht an! Nein, wirklich nicht! Ich hĂ€tte sie fĂŒr gut 10 Jahre jĂŒnger geschĂ€tzt" Über solche Komplimente...selbstverstĂ€ndlich, freue ich mich. Trotz meines Alters kein graues Haar. Wegen meines HĂŒftgolds... im Gesicht, rund um Knie und Ellenbogen keine Falten. Alles schön straff. NatĂŒrlich liegt es auch an den Genen, denn auch meine Eltern sehen wesentlich jĂŒnger aus als sie sind und auch mein Vater, dem ich sehr Ă€hnlich bin und sehe, hat erst in spĂ€ten Jahren ein paar SilberstrĂ€hnen an den SchlĂ€fen bekommen. Somit auch großen Dank an meine Verwandtschaft.

Vor 11 Jahren habe ich meine große Liebe kennen gelernt und ich bemerkte erstmals, wie wunderbar erfĂŒllend und harmonisch ein Leben zu Zweit sein kann. Das Leben mit ihm wurde ein tĂ€gliches Fest. Zum Feiern gehörte Alkohol und so wurde zum Abendessen mit einem Glas Wein angestossen, am Wochenende wurde mit Prosecco gefeiert. Wir tranken nie große Mengen. Ein bis zwei Glaserl zum Essen, ein kleines Bier nach einer Wanderung und wenn wir eine GeschĂ€ft erfolgreich abgeschlossen hatten, einen Auftrag erfĂŒllt auch mal ein Flascherl Sekt. Immer fĂŒr den Genuss, niemals exzessiv. Aber dennoch tĂ€glich.

In den letzten Wochen ging mir dieses tĂ€gliche Ritual des Trinkens plötzlich auf die Nerven und ich beschloss kurzerhand damit aufzuhören. Auf das Suchtverhalten meiner Mutter blickend, stellte ich beruhigend fest, dass es mir keine Probleme bereitete, keinen Alkohol zu trinken. Ganz im Gegenteil schon nach ein paar Tagen verspĂŒrte ich wieder Lust mich mehr zu bewegen und obwohl ich viel lieber mit dem Rennrad unterwegs bin, zog ich meine alten und stark vernachlĂ€ssigten Laufschuhe an und rannte los.

Nach ein paar wenigen Kilometern gemĂŒtlichen Laufs und mit ordentlich Endorphinen im Blut machte ich ein Selfie um dieses stolz an meinen Mann zu ĂŒbermitteln. Ich wollte ihm beweisen, dass ich auch nach lĂ€ngerer Pause wieder locker eine Stunde durchgehend joggen konnte. Bevor ich das Photo wegschickte kontrollierte ich das Ergebnis und stellte mit entsetzen fest, dass mein Gesicht sich verĂ€ndert hatte. Das einst straffe und faltenlose Gesicht war scheinbar vom Alkohol ĂŒber Jahre aufgepolstert, aufgeschwemmt und aufgedunsen worden. Der Alkohol straffte die Haut und jetzt nach einiger Zeit der Abstinenz, hatte ich plötzlich mein tatsĂ€chliches Alter im Gesicht stehen. Diese Erkenntnis traf mich im tiefen Wald, im Winter und ungeschminkt.

War Alkohol mein Botox? Und... es taucht auch schon die nÀchste Frage auf: wie lange wird es noch dauern bis meine Haare grau werden? Wenn dies auch mit dem Alkohol in Zusammenhang steht, dann fange aber ich wieder zu Trinken an.

© avadiva 2019-12-20

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