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#freiheit#familie#verantwortung

Depression

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Depression | story.one

Manchmal habe ich das Gef├╝hl, dass in dem Wort Depression, irgendwie auch das Wort Erpressung drinnen steckt. Meine Mutter hat eine sehr seltene Form der Depression. Je nach Aufmerksamkeitsdefizit, kann die Depression 5 Minuten, 10 Minuten, ein paar Stunden, Tage oder Wochen anhalten. Wenn ├╝berhaupt niemand oder keiner/keine in der gew├╝nschten Form auf die Depression reagiert, dann hat sie auch keine Scheu davor, sich in die Nervenklinik einweisen zu lassen.

Leiden auf k├Ârperlicher und auf psychischer Ebene bestimmen ihr Leben. Nur wer leidet hat eine Lebensberechtigung. Das Leben muss hart, schmerzvoll und qualvoll sein. Nur wenn sich der Schmerz bemerkbar macht, dann sp├╝rt sie sich und das Leben.

Ganz egal was sich gerade zutr├Ągt in ihrem Leben. Schuld sind immer die Anderen! Ihr festgeschriebener Glaubenssatz hei├čt ├╝bersetzt: Als Mensch h├Ąngt man wie eine Marionette an Schn├╝rren und eine h├Âhere Macht zieht die F├Ąden. Selbst hat sie keine M├Âglichkeit f├╝r sich und f├╝r das Leben Verantwortung zu ├╝bernehmen. Und... dennoch liegt alle Macht in dieser Haltung. Mit gro├čer Genugtuung und Freude, erpresst sie ihre Umgebung mit ihren Launen, Ihren Leiden, ihren Schmerzen, ihren Unp├Ąsslichkeiten. In bunten Bildern veranschaulicht sie wie schrecklich ihr Mann, ihre Kinder, ihre Nachbarn, ihre Haus├Ąrztin, ihre Schmerzen, ihre Depressionen sind.

Aber sie ist sehr leicht ablenkbar. Sobald sie die gew├╝nschte Aufmerksamkeit bekommt und sie ihre Geschichten, ihre Ratschl├Ąge (meist Schl├Ąge), ihre ├╝ber Jahrzehnte einge├╝bten Spr├╝che, zum Besten geben kann, dann sind die Depressionen, die Schmerzen, schnell vergessen.

Mit gro├čer Hingabe spielt sie alle gegeneinander aus und ist ├╝berzeugt, dass ihr niemand auf die Schliche kommt.

Doch das Alter macht ihr immer ├Âfter einen Strich durch die Rechnung, sie hat es nicht mehr im ├ťberblick, wen sie gegen wen austrickst. Ihre beachtliche Wendigkeit im Kopf, l├Ąsst nach und sie hat es nicht mehr im Griff, ├╝ber wen sie was verbreitet. Es ist ihr ├╝ber viele Jahre hinweg gelungen zu verhindern, dass die ihr N├Ąchsten miteinander kommunizieren. Doch durch ihre vermehrt auftretenden k├Ârperlichen Leiden und Krankheiten sind nun immer mehr Familienmitglieder in ihrem Dienst und dadurch auch miteinander im Gespr├Ąch.

Pl├Âtzlich lichtet sich der Nebel und man erkennt, der eigene Vater ist kein Monster, kein Herrscher, kein Tyrann, sondern ein Mensch der es durch seine Sprachlosigkeit, nicht geschafft hat, sich zur Wehr und ins rechte Licht zu setzen. Die Schwester die von ihr so weit von mir entfernt gehalten wurde, so weit, als ob ich keine Schwester h├Ątte. Fremde sind wir.

Doch was ist der Leiden Lohn? Wozu dieses Spiel? Alles nur f├╝r einwenig Aufmerksamkeit?

Abschlie├čend denke ich, dass die Depression und der Schmerz das einzig EHRLICHE in einem falsch gef├╝hrtem Leben sind.

┬ę avadiva 2019-06-02

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