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#familie#tod#hass

Die Narzisstenkönigin

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Die Narzisstenkönigin | story.one

Jetzt rückblickend stelle ich fest, dass ich mich im Land wo die Narzisstenkönigin herrscht nie wohlgefühlt habe. Aus Pflichtbewusstsein kehrte ich zurück, denn die Narzisstenkönigin ist alt geworden und ihr einziger und greiser Sklave kann nur mehr schwer nach ihrer Pfeife tanzen.

In diesem Land, in dem ich groß wurde, war immer Krieg. Die Herrscherin zog raffiniert ihre Fäden und setzte Waffen ein die an Kaltblütigkeit, Bösartigkeit und Hinterhältigkeit von niemanden zu überbieten waren. Im ganzen Land herrschte stets eine Atmosphäre des emotionalen Terrors. Eine unausgesprochene Beschuldigung lag in der Luft und eine schweigende Anklage verbreitete sich im ganzen Reich. Sie war in ihrem Fühlen und Denken immer auf die eigene Person zentriert. In ihrer Selbstüberhöhung und ihrer vermeintlichen Großartigkeit entwickelte sie eine gefährliche Haltung, mit der es ihr gelang, stets mehr zu bekommen als zu geben.

Ihr greiser Sklave leidet. Er wird mit jedem Lebensjahr sensibler, stiller, demütiger. Verzweifelt versucht er ihr alles Recht zu machen und Frieden zu stiften. Seit Jahrzehnten scheitert er stets kläglich. Hoffnungsvoll richtet er sich immer wieder auf und beginnt wieder und wieder seinen Friedenstanz aufzuführen. Alles prallt an ihr ab. In ihrer Gefühlskälte, Verbitterung und Opferhaltung lässt sie gebetsmühlenartig die ewig gleichen Anschuldigungen und Worthülsen auf alle in ihrem Reich niederprasseln. Die Opferrolle ist für sie so derartig attraktiv, weil es ihr narzisstisches Selbst unangetastet lässt.

Ich kehrte aus Pflichtgefühl ins Land der Narzisstenkönigin zurück. Denn die Knochen der Königin sind inzwischen müde, das Herz schwach und die Arterien spröde. Ihre emotionale Intelligenz restlos verkümmert. Die Tänze des Sklaven betrachtet sie mit Hass, denn sie sind unbeholfen und von Stürzen begleitet. Er ist wehrlos und seine Tränen fließen unaufhörlich und ergießen sich wie Sturzbäche übers Land. Er kann die Unbill nicht mehr ertragen, er droht darin zu ertrinken. Die Narzisstenkönigin interessiert sich nicht für ihn, höchstens sie braucht etwas.

Ich kam zurück, um das Land in ein anderes Licht zu tauchen, ich wollte die Mächte wie Egozentrizität, Empfindlichkeit, Empathiemangel und Entwertung zu Fall bringen. Versuchte zu kooperieren, um dann festzustellen, es geht auf meine Kosten und der Preis ist zu hoch.

Es gibt viel zu tun im Reich wo der Narzissmus blüht und dennoch vermag man nichts auszurichten.

© avadiva 2020-03-14

Toxische Beziehungen. Narzissmus.

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