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#mut#verantwortung#liebe

Hofübergabe

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Hofübergabe | story.one

Sie lebte sehr nah bei ihren Eltern, nur cirka 5 Minuten Fußweg entfernt. Bei Allem was anstand und was von ihnen gebraucht wurde, war sie zuständig. Mit allen Anliegen kamen die Eltern auf sie zu.

Sie hatten eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft, keine 8 ha groß. Sie warf nichts ab, brachte keinen Ertrag. Da die Eltern immer schon hart und schwer gearbeitet hatten und weil es immer so war, wurde auch immer so weiter gemacht. Das Alter brachte immer mehr körperliche Beschwerden, immer mehr Schmerzen, immer mehr Leiden und immer weniger Leistung hervor. Immer öfter waren sie auf die ältere Tochter angewiesen und brauchten ihre Unterstützung. Die jüngere Tochter fühlte sich nicht zuständig, sie hatte sich schon früh abgegrenzt.

Schleichend wurde die Arbeit und die Unterstützung durch die Tochter am Hof mehr. Immer öfter machte sich bei ihr Unmut breit. Außer der vielen Arbeit und den finanziellen Ausgaben kam dabei nichts heraus. Meist fehlte die Wertschätzung und die Anerkennung. Die Tochter war berufstätig, hatte selbst ein Haus mit Garten und wollte nach dem die Kinder erwachsen, eine Krebserkrankung überstanden, auch ihr eigenes Leben leben. Sie versuchte den Eltern zu erklären, dass sie ihr den Hof übergeben sollten, damit die Zuständigkeit einen Namen hat und sie dann zumindest das Gefühl hatte, sie sei für Haus, Hof und Eltern verantwortlich. Das es ihre Arbeit war, die sie leistete. Auch könnten die Eltern, wenn ihnen die Last abgenommen wurde, noch ein paar gute Jahre haben. Doch der Leitspruch der Eltern war: "Übergeben heißt nicht mehr LEBEN".

Nach einiger Zeit und der Diagnose Nierenversagen und Herzschwäche beim Vater und der zunehmenden Unbeweglichkeit und den chronischen Schmerzen der Mutter wurde dann das Thema Hofübergabe von den Eltern selbst zum Thema gemacht. Erkundigungen wurden eingeholt, rechtliches abgeklärt und einiges angesprochen, was sonst unter den Teppich gekehrt wurde.

Noch war nichts fixiert, noch gab es keinen Termin beim Notar, aber seither stand für sie die Verantwortung im Raum. Obwohl es Wunsch und Ziel war, stellte sich ihr nun die große Frage, was tun mit den Grundstücken, dem großen Haus, dem Wald? Was tun mit diesem doch großen Erbe? Was tun wenn die Eltern gar nichts mehr können, wenn Pflege ansteht, die auch die Körperpflege, die Versorgung und dergleichen beinhaltet? Was tun, wenn man einsehen muss, dass man selbst schon in einem Alter ist, wo die Pension in nächster Nähe ist und die Leistungsfähigkeit abnimmt. Wenn man dann auf allen Ebenen plötzlich als Anfängerin dasteht. Sie hat keine Ahnung von Landwirtschaft, von Waldarbeit, von Pflege. Was kommt da auf sie zu????

Sie weiß auch nichts vom Tod und dennoch ist es Gewissheit, dass der Schritt in diese große Verantwortung, auch der Anfang des Weges, die Begleitung und der Beistand zum Ende des Lebens ihrer Eltern sein wird.

© avadiva 2019-07-29

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