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#ruhe#lebenslust#gesundheit

Lockdown 2

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Lockdown 2 | story.one

Also, liebe Leute, ich sprech jetzt nur für mich und ich weiß schon, dass viele das ganz anders empfinden. Aber ich bin offen gestanden unendlich froh, dass wieder mal RUHE herrscht. Ich brauche dieses Außen nicht, nicht diese Treffen, nicht diese Zusammenkünfte, nicht dieses Shoppingerlebnis, nicht diese Wochenendausflüge, nicht diese Kurztrips, nicht diese Vernetzungstreffen, nicht diese Teamsitzungen, nicht diesen permanenten Austausch, nicht diese Restaurantbesuche, nicht diese Verwandtentreffen, nicht dieses nachbarschaftliche Pseudogequatsche. Ich brauche nichts von alledem, ich brauche einzig und alleine meine Ruhe. Diesmal ist diese Ruhe eine verordnete Ruhe. Die Regierung sagt: “Bitte bleiben Sie zu Hause und jedes Treffen ist eines zuviel!”, das ist schon lange meine Haltung. Zu Hause bleiben und jegliche Kontakte meiden. Alles ist gesagt, alles erlebt, alles verkostet, alles probiert, alles gelebt und alles geliebt. Nein, keine Sorge, ich bin nicht frustriert, ich bin nicht verhärmt, ich bin auch nicht gelangweilt. Ich bin einfach nur bei mir, bin angekommen und bei mir zu Hause. Im Alltag wird einem das Selbst genommen, da alles auf Zerstreuung, Optimierung und Konsum ausgerichtet ist. Nie darf man bei sich sein, permanent wird man abgelenkt und vor den Karren gespannt. Es heißt von früh bis spät funktionieren. Leistung erbringen, Erledigungen machen, sich fügen, freundlich sein, sich anpassen, sich den Gegebenheiten fügen. Aufträge erledigen, für andere da sein, teamfähig und flexibel sein. Du musst dich um deine Kinder kümmern, deine alten Eltern versorgen, deinen Freunden ein Gehör schenken, kollegial sein, deinem Partner eine gute Geliebte und Ehefrau sein. Dein Haus und oder deine Wohnung muss geputzt und stylisch eingerichtet sein. Der Garten gepflegt, die Fenster geputzt, das Haustier sauber und wohlerzogen. Du musst dich weiterbilden und gebildet sein. Soziale Kompetenzen sowieso immer im Rucksack und zum Auspacken bereit. Vorurteile und Meinungen sind immer hinten anzustellen oder besser du denkst dir nur, was du denkst. Niemals was laut aussprechen, lieber daran ersticken. Gesund musst du sein. Niemals ein Wehwehchen. Wehe du hast Stimmungsschwankungen oder eine kleine Depression. Bitte dafür gibt es doch Mittel und Wege, heißt Tabletten und Tropfen.

Unsere leistungs- und konsumorientierte Gesellschaft möchte nicht, dass wir bei uns ankommen, dass wir eigene Gedanken haben, uns eine Meinung bilden. Gestresste und von sich abgelenkte Menschen sind gute Konsumenten und Menschen mit Krediten und Schulden sind gute und ergebene Arbeiter und Dienstnehmerinnen.

Für mich stellt sich die Frage, ob diese Pandemie nicht auch ein Spiegel unserer kranken Gesellschaft ist? Vielleicht ist es nun endlich an der Zeit über sich und seine Bedürfnisse nachzudenken und bei sich selbst anzukommen.

© avadiva 2020-11-18

LOCKdown - 2.(0) Klappe

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