skip to main content

#freiheit#freundschaft#leichtigkeit

Mit dem Fahrrad ans Meer

  • 671
Mit dem Fahrrad ans Meer | story.one

Ich erzähle Sandra, dass mein Wunsch mit dem Fahrrad von Tarvis nach Grado zu fahren, buchstäblich ins Wasser gefallen ist, da es den ganzen Mai ohne Unterlass geregnet hat. Damals wollte ich diese Reise alleine antreten, da ich wegen der fortschreitenden Pflegebedürftigkeit meiner Eltern das Gefühl hatte ich muss für mich meine Zuständigkeit klären und auch lernen mich besser abzugrenzen.

Ich erzählte ihr von meinen Vorbereitungen, von den Youtube Videos die ich vom Alpe Adria Trail gesehen hatte und vom Tagliamento, einer der letzten Wildflüsse Europas und von seiner Schönheit. Schnell ist sie von der Idee der Reise begeistert und wir beschließen gemeinsam die Reise zu tun und legten einen Termin fest.

Der Termin war dann das Einzige was wir planten. Wie unbekümmerte Teenager, nur mit dem Nötigsten ausgerüstet stiegen wir ins Auto und fuhren nach Italien zu unserem Ausgangspunkt nach Tarvis. Ein Hotel war rasch gefunden und schnell tauchten wir in dieses Gefühl der Unbekümmertheit, der Freiheit und der Heiterkeit ein. Dolce Vita. Ein paar Tage ohne Pflichten.

Am nächsten Tag suchten wir einen Fahrradverleih und bekamen die wohl unbequemsten Räder die es bei diesem Verleih gab, geliehen. Die kleinste Steigung wurde zur Tortour. Dennoch waren wir guter Dinge und mit Frohsinn und Freude ging es immer leicht bergab Richtung Meer.

Fahrrad fahren lässt bei mir immer das Gefühl von Freiheit und Glück entstehen. Es zaubert mir immer ein Lächeln ins Gesicht und alles was an Last auf meinen Schultern liegt, geht schlagartig verloren. Im Gegensatz zum Laufen empfinde ich Rad fahren nie als Anstrengung oder als Belastung. Auch wenn es bergauf geht, auch wenn die Strecke schwierig ist, immer bin ich erfüllt von Leichtigkeit. Ein Freund aus der Kindheit, der Profi im Radsport war, hat mir die Freude am Fahrradfahren nahe gebracht. Er schenkte mir ein auf meinen Körper, meine Größe und Gewicht zugeschnittenes Rennrad und brachte mir bei ernsthaft zu trainieren, Kilometer runter zu spulen, auf "Zug zu fahren" und auf Leistungszuwachs zu achten. Vielleicht ist es meinem Temperament geschuldet, dass Rad fahren mich immer mit mehr Freude erfüllte als Gehen, Wandern oder Laufen. Mir ging immer schon alles viel zu langsam. Als Kind und als Jugendliche bot das Fahrrad mir stets eine gute Gelegenheit so schnell wie möglich von zu Hause weg zu kommen. Einem zu Hause, wo immer nur gearbeitet wurde, nie Ruhe und Entspannung war. Wo es laut und grob zuging. Wo immer gestritten wurde und immer Spannung in der Luft lag. Wenn alles an mir vorüberzog und der Fahrtwind übers Gesicht und durch die Haare strich, war ich mit mir im Einklang und fand Gelassenheit. Ich war immer gerne unterwegs und beim Rad fahren, konnte ich mich abreagieren, meine Kopf auszulüften und von Unabhängigkeit und Freiheit träumen.

So auch an diesen 3 Tagen an denen wir bei glühender Hitze gute 180 Kilometer zurück legten und glücklich, unbekümmert und fröhlich am Meer ankamen.

© avadiva 2019-07-29

freundschafteinfotoundseinegeschichte

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.