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#geheimnis#ikea#sofa

Slip an

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Slip an | story.one

Ich hatte meine Wohnung ziemlich genau im Kopf, als ich durch das IKEA-Labyrinth schlenderte und nach einer gemĂŒtlichen Couch Ausschau hielt, auf der ich - auch nur mit Slip an - im Liegen lesen, lernen und fernsehen konnte. Nachdem ich auf verschiedenen Modellen zur Probe gesessen, gelĂŒmmelt und gewippt hatte, war ich felsenfest davon ĂŒberzeugt: das 2er-Sofa “KLIPPAN” passt perfekt in meine Wohnung. Entschlossen bestellte ich es in weiß, Lieferung inklusive.

Wenige Tage spĂ€ter brachten zwei MĂ€nner das Sofa zu mir in den fĂŒnften Stock ohne Lift. Völlig verschwitzt und außer Atem fragten sie, wo sie es abstellen sollten. Ich verstand sofort ihren ratlosen Blick. Das Sofa war groß, gewaltig, geradezu monströs. “Da, zum Fenster bitte”, sagte ich und zeigte auf ein kleines StĂŒck freie FlĂ€che. Dort war aber viel zu wenig Platz fĂŒr das Sofa. Ich hatte mich vermessen. Und das massiv. Die MĂ€nner stellten es schrĂ€g in den Raum. Anders ging es nicht. Es war eingequetscht zwischen zwei BĂŒcherregalen. Energetisch unharmonisch und bedenklich. Ihre Blicke sagten so etwas wie “Oida, schon wieder eine Frau, die nicht messen kann!” Das passte nicht zu meinem Selbstbild. Verzweiflung machte sich breit, noch breiter als das Sofa. Ich sackte zusammen. Was sollte ich tun?

In einer Stunde wollte meine Freundin Sylvia vorbeikommen und ich wollte ihr voller Stolz mein neues Sofa zeigen. Jetzt war mir dieser Gedanke allerdings so peinlich, dass ich mich stattdessen mit ihr zum Spaziergang verabredete. Weil das Wetter so schön ist, war mein Vorwand.

WĂ€hrend wir durch den Park flanierten, kreisten meine Gedanken wie besessen um das Sofa. Wie konnte ich es am besten wieder loswerden? Ich hatte kein Auto und auch kein besonderes Vertrauen in meine FahrkĂŒnste, um selbst einen Lieferwagen zu lenken. Wieder so ein Klischee, das ich nicht erfĂŒllen wollte.

Nach dem Spaziergang rief ich sofort bei IKEA an, um die Retoure zu vereinbaren, Abholung inklusive. Endlich stellte sich so etwas wie Erleichterung ein. Nun wusste ich mit Gewissheit, dass dieser Albtraum morgen zu Ende sein wĂŒrde.

Von da an konnte ich mein Sofa genießen: mit Slip an, Rotwein und “Big Bang Theory”. Ich betrachtete es als 24-Stunden-Miete purer GemĂŒtlichkeit gegen zweimalige Bezahlung der Lieferkosten. Das war bis jetzt ein wohlgehĂŒtetes Geheimnis zwischen IKEA und mir. Niemand sollte je von dieser Peinlichkeit erfahren.

Warum ich es jetzt erzĂ€hle? Weil ich bei diesem Wettbewerb gewinnen und berĂŒhmt werden will. Weil ich heute darĂŒber lachen kann, dass ich mich geirrt habe. Weil sich auch MĂ€nner vermessen. Weil sogar Konstrukteur:innen von BrĂŒcken Planungsfehler machen. Weil ich den Lieferservice von IKEA gut fand. Weil Möbelmiete vielleicht eine neue GeschĂ€ftsidee ist. Weil Menschen aus schlechten Situationen etwas Gutes machen können. Schenkt dir das Leben ein zu großes Sofa, kannst du dich dennoch darauf ausruhen und schöne Erinnerungen schaffen.

© Barbara Neubauer 2021-09-15

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