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#entwicklungsphasen#ausgebrannt#sommer2019

Halbmond

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Halbmond | story.one

Aus der Zeit, in der einem Mädchen Schokolade nicht schmeckt und ihr Stift nicht mehr schreiben will, erzählt sie manchmal und sie sitzt dabei zweifelnd und still.

Das Krönchen zurechtrücken, aufstehen, sagte ohne Philo zu ihr die Sophie, vor ihr schon lange nicht nur mehr die Frage “Wie?”

Nun auch die Frage “Wofür überhaupt?” und die Frage danach, was ihr das Ganz sein nicht mehr erlaubt.

Die Frage, ob sie jemals ein Krönchen hatte und wo es jetzt wohl liegt, der Gedanke, dass sie's, findet sie es, wahrscheinlich einsteckt und dabei verbiegt.

Dabei wollte sie nie mächtig sein und auch nicht gewinnen, nur nicht im Schlaraffenland traurige Lieder singen.

Sie fragt sich, warum Tränen erst jetzt oder schon jetzt kommen, hat sie sich zu wenig oder zu viel benommen?

Benommen ist sie jetzt und das Ist verschwindet in dem, was vielleicht alles wird, hat sie sich auf ihren eigenen Wegen verirrt?

Noch nie war so vieles so wichtig und so vieles so sehr egal, sie könnte sich nicht entscheiden, gäbe ihr die Welt heute alles zur Wahl.

Von Schönem umgeben muss sie nach Schönem Ausschau halten und ganze Stunden rund um halbe Momente gestalten.

Doch wird der Sand unter den Füßen von Uhren gesiebt oder hat man vergessen, wie man sich in sich selbst verliebt,

atmet sich Sommerluft schwerer als sie jemals war, dann vielleicht nur, weil in Sommernachtsträumen geschah, weil geschah, was sie nicht versteht, und was doch schreckhaft zwischen ihren Rippen steht.

Wer hätte gedacht, dass einmal Einfaches schwierig wird oder des Mädchens Gesicht ein Tag lang kein Lächeln ziert?

Sie ist schön, sagten sie, wenn sie lacht und ihre Schuhe haben Risse. Sie sagt, dass sie sich selbst vermisse.

Und dann erinnert sie sich, wie sehr sie es hasste, wenn jemand niederschrieb, es sei gut, wie sie sei und noch besser, wenn sie so blieb'.

Sie ist nicht gut, vielleicht nicht zu anderen, vielleicht auch nicht zu sich, sie verletzte vielleicht ab und an sogar dich.

Doch sollte sie gut sein, dann wäre es dennoch noch lange nicht das Beste, so zu bleiben, mit zerrissenen Schuhen und Mimikryweste.

Denn manchmal werden aus einem traurigen Tag drei, vier, fünf oder sieben, und nie hat man sich gewünscht, man wäre wie früher geblieben,

weil man weiß, dass der Halbmond wieder ganz wird und Ganzes ohne Halbes an Bewusstsein verliert.

Und bald gibt ihr ein neuer Morgen auf ihre Seele einen Kuss, einen, vor dem sie keine Angst haben muss.

© Barbara Wirbelkind 2021-02-26

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