skip to main content

#eigenartig#poesiedesmoments#meineschreibzeit

Mediterranblauer Mut zur Muße

  • 287
Mediterranblauer Mut zur Muße | story.one

Es sieht nach Frühling aus. Es riecht nach Frühling. Es schmeckt nach Frühling. Es hört sich nach Frühling an. Es fühlt sich nach Frühling an. Wobei sich die Es als Reizauslöser gegenseitig überbieten – je nachdem, an welche Membranrezeptoren sie andocken, um unsere Sinneseindrücke und Gefühlswahrnehmungen in immer wieder überraschende Auffangbecken in uns zu lenken.

Da ist ein Rum- und Numgesummse zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte im Gange, fast schon im Flusse. Und keine von den beiden Hälften hat genau im Kopf, was eigentlich los ist mit der gegenüberliegenden Seite. Welchen Gedanken, die durch die Synapsen hindurchblitzen, mein Hirn folgt, hängt von den Choreografien ab. Einzig das Herz lässt sich nicht stören beim Schlagen.

Noch haften meine Gefühle diffus an der Oberfläche – als Rouge auf der Blässe meiner Gedanken. Sie fangen irgendwo an, ohne die Richtung in diesem Frühling zu kennen. Ich denke Grün und sehe Rot, drehe durch: Alles wird Grau – im Grau fällt alles zusammen. Unbunt, im Grau sind alle Farben – ein Punkt in grauer Unendlichkeit.

Frühling?! Und der bringt wieder mal alles durcheinander. Mit farbenfrohen Sedimentablagerungen, die sich in unserem Inneren breitmachen. Ein Seitensprung an Formen, ein Spiel mit Farben. Ich spüre es wieder, dieses leichte Rauschgefühl unter der Kruste der Wirklichkeit. Und schon stecke ich drin, mittendrin im Azur des Ideenhimmels – mit Frühlingsblödeleien:

_ adrett angehauchtes Antilopenbraun

_ bedeutungsvoll brisantes Brillenschlangenbunt

_ charmant charakteristisches Chamäleonbuntmonochrom

_ dilettantisch dokumentiertes Dackelbeige

_ eintönig elegantes Eisbärenweiß

_ fröhlich feingewebtes Fliegenschwarz

_ geschmeidig galantes Grashüpfergrün

_ hoffnungsvoll harmonisches Hahnenkammrot

_ irritierend illusionistisches Igelschwarzgraubraungestrichen

_ jovial jaulendes Jagdhundbraunmeliert

_ kokett kleinkariertes Kakadugrau

_ lustig lamettaleuchtendes Libellenfluoreszenziert

_ munter moduliertes Mausgrau

_ nostalgisch natürliches Nasenbärgelbweißbraun

_ organisch offenes Orang-Utang-Arschsignalrot

_ pastellen progressives Papageiengrün

_ qualitativ quotengeregeltes Quallenfarblos

_ richtig romantisches Regenbogenforellenblau

_ sensationell sensitives Seesternrotorange

_ tapfer temperiertes Taubenblau

_ unscheinbar unterirdisches Uhutarnschwarz

_ vollkommen verfälschtes Versuchskaninchenschneeweiß

_ willkürlich wachsweiches Wasserflohorganzagemustert

_ x-beliebiges xerophiles Xanthippenhyänengiftgelb

_ yingeprägtes yangangehauchtes Yakmehrschichtdunkelbraun

_ zwanghaft ziseliertes Zebraschwarzweiß

Ich stelle fest, dass ich mit einer ganzen Farbpalette bunter denken kann, als nur mit einem Bleistift. Morgen mische ich diese Farbpalette neu und mache mit Pflanzen weiter – auch wenn ich bezweifle, dass mir der Klatschmohn applaudieren wird.

© Bernd Lange 2021-05-02

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.