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#bellaitalia#reiffürdieinsel#emotionengedankenundträume

Mein Sosein im Dasein

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Mein Sosein im Dasein | story.one

So schreiben können⎥bis sich das Wort vom Vorbild löst⎥und der Geist vom Erlebnis der Gedanken⎥

So schreiben können⎥Meist gelingt es nicht⎥

So leben können⎥bis sich die Gedanken vom Vorbild lösen⎥und die Worte vom Geist des Erlebten⎥

So leben können⎥Manchmal gelingt es ja

𝗜n der Pose des Rodinschen Denkers sitze ich im Fels und beobachte unbewusst den Sand vor meinen Füßen. Mondlicht fällt aufs Meer. Zaghafte Schatten nehmen vom Wind berührte Wellen in Besitz und zeichnen immer wieder neue Muster. Silhouetten formen sich zu Bildern und verlöschen wieder. Ich empfinde, wie die Zellen in meinem Körper alles beherrschen. Gedankenwellen umspülen das ausgemergelte Riff meines Hirns. So wie das Meer ganz sacht plätschernd die Felsen liebkost. Mein Blick wandert zum Horizont. Alles funkelt und gleißt. Buchstaben leuchten wie Sterne in nächtlicher Stille, gestalten sich zu einer Choreografie der Worte.

Meine Augen schließen. Auf nichts warten wollen. Der Himmel ist unendlich hoch und doch zum Greifen nahe. Ich spüre seinen Atem, höre das Geräusch der Unendlichkeit. Am Horizont ahne ich den neuen Tag. Die Illusion spielt mit — erst langsam, dann immer verwegener zeigt sie ihr Gesicht. Ich erlebe den Rausch von sinnlichen Klängen durch die Wolken im Mondlicht, hinter meinen geschlossenen Augen perlt das Erstaunen.

Ich sauge die sich zögernd erwärmende Morgensonne durch die letzten noch ausharrenden Dunstfetzen auf. Meine Gedanken werden feinfühliger, ohne zu wissen, wohin sie mich begleiten. Es gibt Augenblicke, in denen ich verweile. Ein neuer, lange nicht mehr erlebter Duft berauscht mich. Die Luft riecht blau, und doch liegt ein herausforderndes Zirpen, die monotone Symphonie der Grillen in ihr.

Der Schimmer einer Serenitas, die wie eine Welle über den Sand tanzt, durchfließt mein Bewusstsein — folgt dem Sog des Meeres. Nicht auf die Suche zu gehen und doch zu finden, wonach ich nicht gesucht habe. Eine Weile in der Schwebe bleiben, wenn das Blau des Himmels und das Blau des Meeres miteinander verschmelzen. Wenn der Horizont mit den Farben, mit den Nuancen der Blautöne spielt. In dem verdammt guten, diesem irren Gefühl der Schwerelosigkeit verharren, von der ich nicht weiß, wohin sie mich führt. Und bei der ich dennoch spüre, dort anzukommen, wo ich fühle, hinzugehören. Bis das Nichtfassbare des Meeres, bis das Nichtfassbare des Himmels die Wahrnehmung vorspiegelt, dass die weißen Wolken über dem Wind in diesem unfassbaren Blau als kleine Inseln aus den Wellentälern hervortreten. Wenn mir nicht die Fülle meines Vorstellungsvermögens das pure Erkennen verspricht, sondern die unerwartete Erfüllung, von was auch immer, durch meinen Körper fließt:

Manchmal erscheint in meinen Worten etwas⎥das ich immer schon gesucht habe⎥

Denn es entspringt in ihnen das⎥was ich als Wort nicht sehe⎥

Doch es entsteht in den Worten als etwas⎥das sich von selbst erklärt⎥

Und es erwacht das Staunen⎥über das Dasein und Sosein der Dinge

© Bernd Lange 2022-09-02

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